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Der digitale Stadtplan von Brigantium / Bregenz (A)

Bregenz am Ostufer des Bodensees war in der römischen Zeit unter dem Namen Brigantium für die Region ein bedeutendes städtisches Zentrum. Seit dem 19. Jahrhundert haben Archäologen weite Teile des ehemaligen antiken Siedlungsgebietes, das sich vor allem auf dem Ölrain-Plateau erstreckte, ausgegraben und erforscht. Was nicht damals schon zerstört oder überbaut worden ist, wurde meist wieder zugeschüttet und verschwand weitgehend aus dem Bewusstsein der Bevölkerung.

Auf Basis der damals schon erfolgten Ausgrabungen konnte zunächst Samuel Jenny 1898 einen ersten Übersichtsplan zu Brigantium publizieren.  1985 wurde der Stadtplan von Christine Ertel um die wissenschaftlichen Erkenntnisse des 20. Jahrhunderts erweitert publiziert. Zuletzt arbeitete Florian Schimmer 2005 noch die jüngsten Ergebnisse ein. Aus heutiger Sicht sind diese mit rein analogen Mitteln erstellten Pläne allerdings nicht ausreichend für eine geographisch exakte Darstellung auf digitaler Basis.

Vor einigen Jahren entstand daher der Wunsch, den Stadtplan von Brigantium gleichsam ins 21. Jahrhundert zu befördern. Schnell wurde klar, dass es mit einer einfachen Übertragung des jüngsten Papierplans nicht getan sein würde. Es war letztlich notwendig, die vielen, teilweise 100 bis 150 Jahre alten Originalpläne der verschiedenen Ausgrabungskampagnen einzeln auf ihre Lagerichtigkeit im aktuellen Kataster zu bewerten und zu digitalisieren. Daraus entstand ein Kooperationsprojekt mit dem Bundesdenkmalamt (Andreas Picker) und dem vorarlberg museum (Gerhard Grabher), das bis heute die Grabungsunterlagen der damaligen Zeit verwahrt. Die technische Umsetzung oblag Ursula Reiterer (TALPA GnbR).

Der römische Stadtplan wurde auf digitaler Basis völlig neu gezeichnet und exakt verortet, um eine Einbindung in das geografische Informationssystem (GIS) der Stadt Bregenz zu ermöglichen. Die technische Umsetzung des „römischen Stadtplans online“ übernahm die GIS-Abteilung der Stadt Bregenz.

Durch dieses Projekt wurden gleich mehrere positive Wirkungen erzielt: Das vorarlberg museum hat nun wichtige Teile seines archäologischen Planbestandes digital vorliegen. Die archäologische Forschung kann daraus wesentliche neue Schlüsse zur antiken Urbanistik sowie zur Siedlungs- und Kulturgeschichte von Brigantium ziehen. So wurden Fehler und Ungenauigkeiten des alten Stadtplans korrigiert und neue Erkenntnisse zur römerzeitlichen Bausubstanz und zu den Straßenverläufen in Brigantium gewonnen.

Publikation:

K. Oberhofer / A. Picker / U. Reiterer, Von der groma zum GIS. Der digitale Stadtplan von Brigantium/Bregenz. Fundberichte aus Österreich 55, 2016 (2018), 535–554.