Wissenseinstieg römische Archäologie

Erstellt im Rahmen des Tutorenprogrammes des Ministeriums für Schule, Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen. Die Inhalte wurden erarbeitet von der Medien-AG des Archäologischen Instituts sowie den Tutoren Marco Galli, Carmen Marcks und Simone Vogt.
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Epocheneinteilung - Römische Kunst

Epocheneinteilung römische Kunst nach:
H. v. Hesberg, in: F. Graf (Hrsg.), Einführung in die lateinische Philologie.

Die Anfänge Roms (10. - 7. Jh. v. Chr.)
Die Königszeit (6. Jh. v. Chr.)
Die frühe Republik (5. Jh.v Chr.)
Die mittlere Republik ( 4. - 3. Jh. v. Chr.)
Die späte Republik ( 2. - 1. Jh. v. Chr.)
Die augusteische Zeit (31 v. Chr. - 14 n. Chr.)
Die iulisch-claudische Dynastie (14 - 69 n. Chr.)
Die flavische Dynastie (69 - 96 n. Chr.)
Trajan und Hadrian (96 n. Chr. - 138 n. Chr.)
Die Antoninen (138 - 192 n. Chr.)
Die Severer (193 - 235 n. Chr.)
Die Senats- und Soldatenkaiser (235 - 284 n. Chr.)
Die Tetrarchie (284 - 312 n. Chr.)
Konstantin und seine Nachfolge (312 - 372 n. Chr.)
Theodosius und seine Nachfolge (379 - 423 n. Chr.)
Das 5. und 6. Jh. n. Chr.

Zeittafel nach: H. Kähler, Rom und seine Welt (1960) 429 ff.

Ende 2. Jt. v. Chr. Einwanderung der Etrusker in Mittelitalien. Anfänger der Villa-Nova-Kultur
9. Jh. v. Chr. älteste Gräber im Bereich des Forum Romanum
757 v. Chr. Beginn der griechischen Kolonisation in Sizilien und Unteritalien
753 v. Chr. 'Gründung' Roms nach der römischen Annalistik. Älteste Häuser auf dem Palatin

6. Jh. v. Chr. Königszeit

509 v. Chr. Sturz der etruskischen Königsherrschaft in Rom. Einweihung des capitolinischen Jupiter-Tempels
5. Jh. v. Chr. Die frühe Republik
499 v. Chr. Schlacht am See regillus. Errichtung des Dioskuren-Tempels am Forum Romanum
449 v. Chr. Zwölftafelgesetz

4. - 3. Jh. v. Chr. Die mittlere Republik

387 v. Chr. Niederlage der Römer gegen die Kelten an der Allia; Einnahme Roms durch die Kelten
um 340 v. Chr. Aufstand der Latiner und Campaner gegen Rom
338 v. Chr. Eroberung Antiums durch Rom und Gründung einer römischen Kolonie 329 v. Chr. Gründung einer römischen Kolonie in Terracina
326-304 v. Chr. Krieg der Römer gegen die Samniten, Bündnis Rom/Neapel
298-290 v. Chr. Krieg der Römer gegen die Samniten, Kelten und Etrusker
281-272 v. Chr. Krieg der Römer gegen Tarent
280-274 v. Chr. Krieg des Pyrrhus von Epirus gegen Römer
279 v. Chr. römische Koloniegründung in Cosa und Paestum
268 v. Chr. römische Koloniegründung in Arminium-Rimini
264-241 v. Chr. Erster Krieg Roms gegen Karthago um Sizilien
251 v. Chr. Sieg des L. Caecilius Metellus gegen Karthager unter Hasdrubal bei Panormus
238 v. Chr. Besetzung Korsikas und Sardiniens durch die Römer
229/8 v. Chr. Erster illyrischer Krieg
219 v. Chr. Zweiter illyrischer Krieg
218-210 v. Chr. Zweiter Krieg Roms gegen Karthago
218 v. Chr. Hannibal überquert die Alpen
217 v. Chr. Niederlage der Römer am trasimenischen See
216 v. Chr. Niederlage der Römer bei Cannae

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Römische Götter

Iuppiter (griech. Zeus)
Iuno (griech. Hera)
Neptunus (griech. Poseidon)
Ceres und Proserpina (griech. Demeter und Persephone)
Apollon (griech. Apollon)
Diana (griech. Artemis)
Minerva (griech. Athene)
Venus (griech. Aphrodite)
Mars (griech. Ares)
Vulcanus (griech. Hephaistos)
Mercurius (griech. Hermes)
Saturnus (griech. Kronos)
Dispater / Pluton (griech. Hades)
Bacchus / Liber Pater (griech. Dionysos)
Victoria (griech. Nike)
Vesta (griech. Hestia)
Fortuna (griech. Tyche)
Ianus
Aesculapius (griech. Asklepios)
Castores / Castor und Pollux (griech. Dioskuroi / Castor und Polydeukes)

Iuppiter
Iuppiter Optimus Maximus, Vater der Götter und Menschen, bildet zusammen mit seiner Gattin Iuno und Minerva die Kapitolinische Trias, die wiederum den zentralen Staatskult darstellt. Kultort war das Kapitol in Rom. Der Kult wurde in den Städten des römischen Reiches meist am Forum eingerichtet als Zeichen der Zugehörigkeit zum Imperium Romanum.

Iuno
Schwester und Gemahlin des Iuppiter. Zuständig für die Bereiche Hochzeit/Ehe, Haus/Besitz, Fruchtland, Weiden, Rinderherden.

Neptunus
Bruder des Iuppiter. Herrscher über die Meere, Binnengewässer und Stürme. Gott der Erde und der Erdbeben. Er verkörpert die elementare Naturkraft des Wassers und der Erde.

Ceres und Proserpina
Schwester des Iuppiter, chthonische Göttin der fruchtbaren Erde, des Getreides, der Agrikultur. Demnach zuständig für den landwirtschaftlichen Zyklus von Saat und Ernte. Der Aspekt der Mutter und der Fruchtbarkeit zeigt sich darin, daß Ceres die Mutter der Proserpina ist.

Proserpina wurde dem Mythos zufolge von Pluton / Dis Pater geraubt und mußte seitdem ein Drittel des Jahres als seine Gemahlin in der Unterwelt verbringen. Im Frühjahr kam sie auf die Erde zurück. Proserpina verkörpert so den jährlichen Wachstumszyklus der Vegetation.

Apollon
Sohn des Iuppiter und der Latona, Bruder der Diana. Zuständigkeit für Gesundheit, Abwehr von Übel, Sühnung und Strafe, Weissagung, religiöses Recht, Musik (Anführer der Musen).

Diana
Schwester des Apollon. Herrin der Tiere. Göttin der Natur und somit zuständig für die Jagd.

Minerva
Tochter des Iuppiter, aus dessen Haupt geboren. Göttin der Vernunft und der Weisheit. Schutzgöttin der Handwerker und Künstler, aber auch Schützerin und Helferin großer Helden. Bildet zusammen mit Iuppiter und Iuno die Kapitolinische Trias.

Venus
Göttin der Schönheit, des erotischen Reizes und der Fruchtbarkeit. Erlangte große Bedeutung unter Caesar und Augustus, denn beide nahmen sie als mythische Ahnherrin in Anspruch, da sie ihr Geschlecht auf Aeneas zurückführten.

Mars
Sohn des Iuppiter und der Iuno. Geliebter der Venus. Gott des Krieges und des kriegerischen Wütens. Als Vater des Stadtgründers Romulus war er der mythische Ahnherr aller Römer. Augustus gab dem Mars den Beinamen ,Ultor" und nahm ihn so als Rächer für den Mord an Caesar und für die Niederlage, die den Römern von den Parthern zugefügt worden war.

Vulcanus
Sohn der Iuno, Gemahl der Venus. Trotz seiner körperlichen Mißbildungen besaß er eine große handwerkliche Kunstfertigkeit und galt somit als Gott der Handwerker, Schmiede und Künstler.

Mercurius
Sohn des Iuppiter und einer Nymphe. Gott der Wege und der Grenzen, Bote der Götter. Begleitet die Seelen bei ihrem Übergang in die Welt der Toten (Psychopompos). Zu römischer Zeit liegt der Schwerpunkt des Gottes eher im Bereich des Handels. Er wurde als Gott der wirtschaftlichen Prosperität verehrt.

Saturnus
Ursprung und Deutung des Gottes sind sehr umstritten. Er wurde als etruskischer Gentilgott, als Gott der Aussaat und als Zeitgott - also als römisches Pendant zum griechischen Kronos - gedeutet.

Der Saturnkult war zwar ein typisch stadtrömisches Phänomen, fand aber weite Verbreitung in Nordafrika: dort wurde der Name des phönikischen Gottes Baal Hammon lateinisch mit Saturnus wiedergegeben. In Rom fungierte Saturnus als Wächter des Staatsschatzes, der im Tempel des Gottes am Forum Romanum aufbewahrt wurde.

Dispater / Pluton
Bruder des Iuppiter. Herr des Totenreichs, der weder in das menschliche Leben eingreift, noch am Leben der Götter teilnimmt. Proserpina (s. o.) ist seine Gemahlin.

Liber Pater / Bacchus
Sohn des Iuppiter und der Semele. Gott des Weines und der rauschhaften Exstase. Stets ist der Gott umgeben von seinem Gefolge, bestehend aus Satyrn und Mänaden, die den Thiasos bilden. Weinlaub, Thyrsosstab und Kantharos gehören zum Beiwerk.

Victoria
Göttin des Sieges. Ihr kam die Funktion der Überbringerin des Sieges und der Siegesbotschaft zu. Sie spielte eine wichtige Rolle für das Selbstverständnis der Kaiser und in der kaiserlichen Repräsentation und Selbstdarstellung. So konnte sie z. B. auch die Weltherrschaft Roms symbolisieren: s. die berühmte Victoria-Statue auf der Weltkugel, die in der Curia Iulia aufgestellt war (hierzu v. a. T. Hölscher).

Vesta
Als Göttin des Herdfeuers garantierte sie das Heil des Hauses und der Gemeinde, später der Stadt und des Staates. Ihr Kult - der in dem Rundbau und dem zugehörigen Bezirk am Forum Romanum ausgeübt wurde - war neben dem Kult des Iuppiter der wichtigste Staatskult. Dafür spricht die Tatsache, daß der flamen Dialis, und die Vestalinnen gleichprivilegierte Priesterschaften darstellen. So wurden Kapitol und Vestafeuer in der republikanischen Zeit als Unterpfänder des Staatswohles aufgefaßt.

Fortuna
Göttin des - vor allem glücklichen - Zufalls. Ihr Kult ist von altersher in Italien ansässig, die Vielzahl ihrer kultischen Spezifikationen erschwert jedoch eine einheitliche Deutung von Ursprung und Funktion. Sie fungierte sowohl als Patronin der einzlenen Lebensabschnitte der Frauen (Fortuna Virginalis, F. Muliebris), als auch als Schützerin von Individuen, Familien (F. Crassiana, F. Iuveniana, F. Plotiana) oder sozialen Gruppen (Fortuna Equestris). Von Bedeutung sind vor allem die Fortuna Huiusce Diei (F. als Schützerin des gegenwärtigen Tages sowie Fortuna Redux (als Garantin für eine glückliche Rückkehr). Attribute. Füllhorn und Steuerruder.

Ianus
Gott des Durchgangs im topographischen, zeitlichen und übertragenem Sinne. Der Name Ianus wurde sowohl für den Gott als auch für die mit ihm verbundenen kultisch relevanten Tordurchgänge verwandt. Seit republikanischer Zeit wird der Gott doppelgesichtig, seltener viergesichtig dargestellt (bifrons / quadrifrons). Wichtigster Kultbau ist der Tempel des Ianus Geminus am Forum Romanum, dessen Flügeltüren geschlossen wurden, wenn im ganzen Reich Frieden herrschte.

Aesculapius
Die Ursprünge des Kultes liegen in Griechenland. Der Heilgott Asklepios, der Sohn des Apollo und der Koronis, besaß ein Kultzentrum in Epidauros. Viele Pilger suchten dort Heilung, wozu vor allem das Inkubationsritual diente: Man schlief im Tempel des Aesculap und hoffte, daß einem der Gott im Traume ein Heilmittel offenbaren würde. Im 3. Jh. v. Chr. gelangte der Kult schließlich während einer Pest nach Rom, nachdem die Befragung der sibyllinischen Bücher ergeben hatte, daß man den Heilgott aus Epidauros herbeiholen solle.

Castores / Castor und Pollux
Aus Griechenland übernommene Zwilllingssöhne des Zeus. Sie hatten sich in der Schlacht am See Regillus 499 v. Chr. als Nothelfer der römischen Reiterei bewährt. So wurden sie im öffentlichen Bereich als Schutzgötter der Reiterei und auch der Flotte, im privaten Bereich als Nothelfer in allen Lebenslagen verehrt.

Literatur (Auswahl):
K. Latte, Römische Religionsgeschichte2 (1976)
R. Muth, Einführung in die griechische und römische Religion (1988)
G. Radke, Die Götter Altitaliens (1979)
G. Radke, Zur Entwicklung der Gottesvorstellung und der Gottesverehrung in Rom (1987)
H.H. Scullard, Römische Feste. Kalender und Kult (1985)
E. Simon, Die Götter der Römer (1990)
G. Wissowa, Religion und Kultus der Römer2 (1912)

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Römische Kaiser

Die römischen Kaiser, nach: D. Kienast, Römische Kaisertabelle. Grundzüge einer römischen Kaiserchronologie (1990).

Für weiter, ausführliche Informationen und Bibliographie über römische Kaiser: De Imperatoribus Romanis

Reg.Zeit Name Gattin
27 - 14 Augustus Livia
14 - 37 Tiberius (Vipsiana) Agrippina Maior
37 - 41 Caligula -
41 - 54 Claudius Valeria Messalina, (Iulia) Agrippina Minor
54 - 68 Nero Poppaea Sabina, Statilia Messalina
68 - 69 Galba -
69 Otho / Vitellius -
69 - 79 Vespasian Flavia Domitilla
79 - 81 Titus -
81 - 96 Domitian -
96 - 98 Nerva -
98 - 117 Traian Pompeia Plotina
177 - 138 Hadrian Vibia Sabina
138 - 161 Antoninus Pius Annia Galeria Faustina I. Maior
161 - 180 Marc Aurel Annia Galeria Faustina II. Minor
180 - 192 Commodus Bruttia Crispina
192 - 193 Pertinax -
193 Didius Iulianus -
193 - 211 Septimius Severus Paccia Marciana, Iulia Domna
- Pescennius Niger -
- Clodius Albinus -
211 - 217 Caracalla Publia Fulvia Plautilla
217 - 218 Macrinius -
218 - 222 Elgabal -
222 - 235 Severus Alexander -
235 - 238 Maximus Thrax -
238 Gordian I. -
238 Gordian II. -
238 Pupienus -
238 Balbinus -
238 - 244 Gordian III. -
244 - 249 Philippus Arabs -
249 - 251 Decius -
251 - 253 Trebonianus Gallus -
253 Aemilius Aemilianus -
253 - 260 Valerian -
253 - 268 Gallienus -
268 - 270 Claudius II. Gothicus -
270 Quintilius -
270 - 275 Aurelian -
275 - 276 Tacitus -
276 Florianus -
276 - 282 Probus -
282 - 283 Carus -
283 - 284 Numerianus -
284 - 285 Carinus -
284 - 305 Diokletian -
285 - 310 Maximian -
293 - 306 Constantius I. -
293 - 311 Galerius -
305 - 313 Maximinius Daia -
305 - 307 Severus II. -
306 - 312 Maxentius -
308 - 324 Licinius -
306 - 337 Constantin I. -

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Rom, historische Topographie

  1. Lage
  2. Die XIV augusteischen Regionen der Stadt
  3. Früheisenzeit 10. Jh. v. Chr. bis ca. 620 v. Chr.
  4. Etruskische Könige (ca. 620 bis ca. 509 v. Chr.)
  5. Frühe und mittlere Republik (ca. 509 bis ca. 340; 340 bis 201 v. Chr.)
  6. Späte Republik (201 bis 31 v. Chr.)
  7. Augusteische Zeit (31 v. bis 14 n. Chr.)
  8. Weitere Kaiserzeit
  9. Literatur

Lage
Rom liegt am Unterlauf des Tiber und zwar dort, wo dieser in die zum Meer führende Ebene eintritt. Die ca. 30 km entfernte Küste ist von Rom aus auf dem Wasserweg erreichbar. Zudem lag hier der Schnittpunkt des Wasser- und Landweges von Etrurien nach Latium und Campanien.

Die Topographie Roms ist durch die Sieben Hügel geprägt. Davon waren drei freistehende montes: der Palatin mit einer größeren Siedlungfläche; Kapitol / Arx, ein steiler Burgberg mit den wichtigsten Tempeln und der Aventin als Hügel der Plebs. Bei den übrigen vier handelte es sich um Hügelzungen colles, die mit dem Hinterland verbunden waren: Quirinal, Viminal, Esquilin und Caelius.

Die zwischen den sieben Hügeln liegenden Senken waren z.T. sehr sumpfig: das Forum Romanum (politisches und wirtschaftliches Zentrum), das Forum Boarium (ältester Handelsmarkt) mit Furt über den Tiber und der ältesten Brücke, das Marsfeld (Sammlungsplatz für das Heer). Durch die Täler führende Straßen verbanden Rom mit dem Landesinneren.
Quellen

Wichtig sind neben der archäologischen Überlieferung die Werke der antiken Schriftsteller sowie die epigraphischen Quellen, die eine immense Fülle von Informationen zur Geschichte Roms und auch zum Leben in der Stadt bieten (s. hier vor allem Kolb, Platner-Ashby, Lugli, Heck)

Die Forma Urbis Romae stellt in diesem Zusammenhang einganz besonderes Zeugnis zur Topographie Roms dar, da es sich hier um einen antiken Stadtplan aus dem frühen 3. Jh. n. Chr. handelt, der beschriftete Grundrisse zeigt. Leider ist er nur sehr fragmentarisch erhalten.

Die XIV augusteischen Regionen der Stadt
Die Einteilung der Stadt Rom in vierzehn Regionen erfolgte bereits in augusteischer Zeit und gestaltet sich folgendermaßen:

Regio I Porta Capena (Porta Capena, Honor u. Virtus - Tempel, Altar d. Fortuna Redux, Beginn d. Via Appia, Scipionen-Gräber)

Regio II Caelimontium (Caelius, Macellum Magnum, Divus Claudius-Tempel, Castra Peregrina, Gärten d. Domitia Lucilla)

Regio III Isis et Serapis (Colosseum, Domus Aurea, Domus Titi, Titusthermen, Trajansthermen, Porticus Liviae, Gärten d. Maecenas, Mons Oppius)

Regio IV Templum Pacis (Templum Pacis, Forum Transitorium [z.T.], Koloss des Nero, Venus u. Roma-Tempel)

Regio V Esquiliae (Porta Praenestina [= P. Maggiore], Grabbau d. Eurysaces, Porta Tiburtina)

Regio VI Alta Semita (Quirinal, Viminal, Tempel d. Quirinus, templum gentis Flaviae, Gärten d. Sallust, Diokletians -Thermen, Via Salaria, Castra Praetoria)

Regio VII Via Lata (Forum Suarium, Gärten d. Lucullus, Via Flaminia)

Regio VIII Forum Romanum et Magnum (Forum Romanum, Forum Iulium, Forum Augustum, Forum Transitorium, Forum Traiani, Kapitol u. Arx m. ihren Bauten, tarpeischer Felsen, Carcer Tullianum, Argiletum)

Regio IX Circus Flaminius (Circus Flaminius, Forum Holitorium, Marsfeld mit seinen Bauten)

Regio X Palatium (Palatin)

Regio XI Circus Maximus (Circus Maximus, Forum Boarium, S. Omobono, Velabrum)

Regio XII Piscina Publica (Caracalla-Thermen)

Regio XIII Aventinus (Aventin, Cestius-Pyramide, Lagerhallen am Tiber)

Regio XIV Transtiberim (Tiberinsel, Ianiculum)
Früheisenzeit (s. a. Epochen)

Einzelne - jedoch unzusammenhängende - Besiedlungsspuren sind schon für das 3. und 2. Jahrtausend v. Chr. nachweisbar. Die erste kontinuierliche Besiedlung ist aber erst für das 10. Jh. v. Chr. auf dem Palatin belegt. Gefunden wurden die Spuren von Hütten (Pfosten, Wände aus Weidengeflecht und Lehm) sowie Gräber mit Hüttenurnen. Solche kamen auch in der Forums-Senke zutage.

Wenig später enstanden auch auf dem Quirinal und dem Esquilin Siedlungen, die aber zunächst voneinander isoliert waren und erst in den folgenden Jahrhunderten zusammenwuchsen.

Die Gründung der Stadt Rom 753 v. Chr. durch Romulus stellt - ebenso wie die frühen Könige Roms - eine spätere Sage dar.
Die etruskischen Könige (s. a. Epochen)

Der Sage nach waren die letzten drei Könige Roms Tarquinius Priscus, Servus Tullius und Tarquinius Superbus Etrusker. Wenn ihre Existenz auch historisch nicht belegt ist, so zeigt sich dennoch im späten 7. Jh .v Chr. ein starker Einfluß der etruskischen Kultur in Rom.

In dieser Zeit wuchsen offensichtlich auch die bisher getrennten Siedlungen des Palatin, Quirinal, Esquilin und Caelius zusammen und die Stadt wurde verwaltungsmäßig in vier Regionen (tribus) - Palatina, Collina, Esquilina und Suburana - eingeteilt. Das so zustande gekommene Stadtareal wurde mit einer Stadtmauer umgeben, die dem Tullius Hostilius zugeschrieben wurde. Ihr Verlauf entspricht demjenigen der im 4. Jh. v. Chr. angelegten Servianischen Mauer.

Ein zentraler Staatskult für die kapitolinische Trias Iuppiter Optimus Maximus, Iuno Regina und Minerva wurde eingerichtet und und man errichtete einen Tempel auf dem Kapitolshügel. Dieser wurde angeblich von Tarquinius Priscus begonnen, von Tarquinius Superbus vollendet und von Brutus, dem ersten Konsul der Republik, um 509 v. Chr. eingeweiht. Man verwendete dabei die etruskische Form, also einen peripteros sine postico auf einem Podium. Säulen und Gebälk waren aus Holz und wurden mit bemalten Terrakottaplatten verziert.

Auch weitere Tempel und andere öffentliche Bauten in etruskischer Form errichtet.

Um 600 v. Chr. wurde die Forums-Senke durch die gezielte Anlage von Wassergräben entsumpft und es entstanden die ersten politischen Versammlungsplätze: Comitium (für die Volksversammlung) und Curia (für den Senat) sowie die ersten Läden an den Längsseiten des Forumsplatzes.

So erhielt Rom ein politisches und wirtschaftliches Zentrum.
Frühe und mittlere Republik (s. a. Epochen)

Ende des 6. Jhs. v. Chr. wurden die etruskischen Könige gestürzt. Die Überlieferung nennt in diesem Zusammenhang das Jahr 509 v. Chr., was jedoch nur als Annäherungsdatum aufgefaßt werden sollte.

Aber auch in den Jahrzehnten nach 509 v. Chr. setzte sich die Bautätigkeit in größerem Umfange fort. Es entstanden einige der bedeutendsten Heiligtümer, so z. B. Saturn- und Dioskuren-Tempel am Forum Romanum und der Ceres-Tempel am Fuße des Aventin

Der Königsherrschaft folgte zunächst eine Adelsherrschaft (Patrizier). Nach den lang anhaltenden Standeskämpfen im 5. bis 4. Jh. v. Chr. erlangten die führenden Familien der Plebejer jedoch eine Gleichstellung. Daraus entstand eine neue patrizisch-plebejische Führungsschicht, die sog. Nobilität, der die politischen Amter zufielen und die den Senat beherrschte.

387 v. Chr. wurde Rom von den Galliern erobert, konnte sich aber wieder erholen. Die Stadt wurde danach mit der sog. Servianischen Mauer - einem Mauerring von 11 km Länge - umgeben.

Mit der militärischen Expansion in der mittleren Republik setzt eine neue Bautätigkeit ein: vor allem entstanden neue Tempel. So wurden der Tempelbezirk am Forum Boarium (S. Omobono) erneuert und das Forum Romanum - vor allem im Bereich des Comitiums - ausgebaut.

Späte Republik (s. a. Epochen)
Rom stellte nach der Niederwerfung Karthagos die stärkste Macht im westlichen Mitelmeerraum dar. Es folgte die Unterwerfung der hellenistischen Gebiete im Osten. Damit wuchs nicht nur die Macht Roms, sondern die gesamte griechische Kultur und Lebensform hielt nun Einzug in Italien. So fand im 2. und 1. Jh. v. Chr. eine starke Hellenisierung des römischen Lebens statt.

Vor allem das Forum Romanum wurde - der neuen Stellung Roms entsprechend - in seiner Eigenschaft als Zentrum für Politik und Handel weiter ausgebaut: die wichtigsten Errungenschaften stellten in dieser Hinsicht die Basilica Aemilia (179 v. Chr.) und die Basilica Sempronia (169 v. Chr.) dar. Hinzu kamen zahlreiche Tempelbauten, die von den siegreichen Feldherren aus Beutegeldern errichtet wurden und sich an griechischen Vorbildern orientierten (architektonischer Entwurf, Kultstatuen im griechischen Stil, griechische Künstler, griechischer Marmor), so z. B. die Porticus Metelli mit den Tempeln des Iuppiter Stator und der Iuno Regina, die an eine griechische Tempelanlage erinnert.

Die zu Macht gelangten Feldherren des 1. Jhs. v. Chr. bedienten sich ehrgeiziger Bauprojekte, um sich damit zu profilieren. So ließ Pompeius 55 v. Chr. auf dem Marsfeld das erste steinerne Theater Roms errichten, welches zudem auch einen Tempel der Venus - der Schutzgöttin des Pompeius -, und eine von einer Portikus umgebene Gartenanlage besaß, an deren Westende sich ein Versammlungsraum für den Senat befand, die Curia Pompei, auf deren Stufen später Iulius Caesar ermordet wurde.

Caesar plante ursprünglich eine völlige Neugestaltung Roms. Besonders für die Stadtteile Marsfeld und Trastevere waren große Veränderungen vorgesehen; Caesar wollte gar das Tiber-Flußbett umlegen, um den an das Marsfeld grenzenden Flußlauf zu begradigen, was jedoch durch seine vorzeitige Ermordung vereitelt wurde. Er ließ aber eine neue Forumsanlage im Zentrum der Stadt, gleich hinter dem Forum Romanum errichten, welches einerseits das alte Forum entlasten, andererseits den dynastischen Anspruch des Diktators hervorheben sollte, denn hier befand sich ein Tempel der Venus Genetrix, der Ahnherrin Caesars. Für das Forum Romanum war eine neue Ausrichtung geplant: Die Aufhebung des Comitiums, der Bau der Curia Iulia und der Basilica Iulia sowie die Verlegung der Rostra sorgten für diese grundlegende Neuorientierung des Platzes.
Augusteische Zeit (s. a. Epochen)

Der Sieg von Actium 31 v. Chr. verhalf Octavian, dem Neffen und Adoptivsohn Caesars, zur alleinigen Macht im Reich, die 27 v. Chr. durch die Verfassung des Prinzipats und den Beinamen Augustus neu formuliert wurde.

In der Baupolitik des Augustus kommt dies sehr deutlich zum Ausdruck: Er teilte die Stadt zunächst in vierzehn Regionen ein und veranlaßte die Neugestaltung sämtlicher öffentlicher Räume in der Stadt sowie die Restaurierung und den Wiederaufbau vernachlässigter Tempel und anderer Bauten. Hier sind vor allem die monumentale Neugestaltung des Forum Romanum sowie die Errichtung des Forum Augustum zu nennen. Nach eigener Aussage in seinen res gestae ließ er allein in seinem 6. Konsulat 82 Tempel erneuern. Durch die Erschließung der Marmorbrüche in Italien (Luni, heute Carrara) seit der Mitte des 1. Jhs. v. Chr. wurde eine monumentale Ausgestaltung der Architektur eigentlich erst möglich.

Das Forum Romanum wurde unter Augustus völlig neu konzipiert und neu gebaut und geriet somit zu einem repräsentativen Zentrum der Stadt. Bemerkenswert ist die Errichtung des Divus-Iulius-Tempels am Ostende des Platzes, denn hier manifestierte sich zum ersten Male der Kult eines für einen Divus und zudem legitimierte Augustus damit seine göttliche Abstammung. Auch die Ostseite des Forums symbolisierte die Herrschaft des Augustus, denn hier stand seit 29 v. Chr. die Curia Iulia als Versammlungsort der Senatoren. Darin war die Statue einer auf der Weltkugel balancierenden Victoria aufgestellt, die das Symbol der von Augustus errungenen Weltherrschaft sein sollte. Ebenso wurden die anderen Bauten am Platz neu errichtet, wenn nicht durch Augustus selbst, dann durch seine Angehörigen und seine Anhänger.

Vor allem stand aber das von Augustus errichtete Forum Augustum ganz im Zeichen der Repräsentation und Selbstdarstellung des princeps und seiner gens. Vor allem das reiche und überaus aussagekräftige Bildprogramm sowie die Nutzung der Platzanlage für militärisch orientierte Zwecke trugen dazu bei. Der Platz folgte in der Konzeption dem Caesar-Forum. Der Tempel war dem ,Rächer" Mars-Ultor geweiht. Die Rache bezog einerseits auf die Mörder des Iulius Caesar, andererseits auf die Parther, denen Augustus die römischen Feldzeichen wieder abnehmen und sich somit für die zurückliegende Niederlage rächen konnte.

Eine grundlegenden Ausbau und eine Modernisierung erfuhr auch das Marsfeld. Zu den auffälligsten Bauten zählt das monumentale Mausoleum des Augustus auf dem nördlichen Marsfeld.Ganz in der Nähe wurde eine riesige Sonnenuhr errichtet; ein als Beutestück aus Agypten abtransportierter Obelisk bildete deren Zeiger. Somit stellte die Sonnenuhr ein Siegesdenkmal über Antonius und Kleopatra dar. Ferner wurde die Ara Pacis Augustae vom Senat zu Ehren des Augustus errichtet.

Auf dem Marsfeld befanden sich zudem etliche Einrichtungen, die dem städtischen Leben bzw. der Freizeitgestaltung der Bevölkerung zur Verfügung standen: So gab es im südlichen Bereich das Marcellus-Theater. Agrippa stiftete die erste öffentliche Thermenanlage.

Eine wichtige Position nahm auch der Palatin als Wohnsitz des Augustus ein. Das Haus des Augustus und das Haus der Livia zeichneten sich durch ihre qualitätvollen Wandmalereien besonders aus. Die unmittelbare Nachbarschaft bedeutsamer Kultstätten (z. B. angebliche Hütte des Romulus, Tempel des Apollo Palatinus) verlieh ihm ine besondere Note.

Weitere Kaiserzeit (s. a. Epochen)

Das 1. Jh. n. Chr.
Iulisch-Claudische Zeit

Die unmittelbaren Nachfolger des Augustus setzten mit ihren Bauwerken zunächst dessen Traditionen fort. Erst durch Nero erfolgten Neuerungen, deren Umsetzung durch den großen Brand Roms im Jahre 64 n. Chr. begünstigt wurde, wobei die Hälfte der augusteischen Regionen schwer beschädigt, drei zerstört und nur vier verschont blieben. Die Domus Aurea, das Privathaus des Kaisers, die einen großen Teil des Stadtzentrums verschlang, stellte wohl das prägnanteste Bauwerk aus der Regierungszeit des Nero dar. Zu den bedeutendsten öffentlichen Gebäuden gehören das Macellum Magnum auf dem Caelius und die Nero-Thermen auf dem Marsfeld.

Flavische Zeit

Brandkatastrophen ereigneten sich auch in den Jahren 69 und 80 n. Chr., wobei das Kapitol sowie das Marsfeld in Mitleidenschaft gezogen wurden. Unter Vespasian wurde der Iuppiter-Capitolinus-Tempel wieder aufgebaut. Er löste vor allem die Domus Aurea auf und gab das Gelände der Öffentlichkeit zurück. An der Stelle des zur Domus Aurea gehörigen künstlichen Sees begann man mit dem Bau des Amphitheatrum Flavium (Colosseum). Der Tempel des Divus-Iulius, den Nero zu einem Nymphäum umfunktioniert hatte, erhielt seine ursprüngliche Form.

Neben der Domus Aurea entstanden die Titus-Thermen, die wohl eine Umwandlung der Privatthermen Neros darstellten.

Von besonderer Bedeutung ist das Templum Pacis, die der Friedensgöttin Pax geweihte Platzanlage, die Vespasian von den Beutegeldern der Jüdischen Kriege bauen ließ. Bei der erlesenen Statuenausstattung des Templum Pacis handelte es sich teilweise um Bestände aus dem Besitz Neros, die in der Domus Aurea aufgestellt waren und nun durch die Neuaufstellung der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurden. Der Umgang mit den Bauwerken (Domus Aurea) und den Baumaßnahmen (Divus Iulius und Divus Claudius-Tempel) Neros zeigt eine bewußte Distanzierung und Verurteilung von dessen Politik. Domitian führte die von seinen Vorgängern begonnenen Bauvorhaben zuende. Nach dem Brand von 80 n. Chr. mußten Kapitol und Marsfeld völlig neu errichtet werden. Im Zuge dieser Maßnahmen entstanden das Forum Transitorium - das dann erst von Nerva eingeweiht wurde - der Titusbogen und der Tempel für die vergöttlichten Vespasian und Titus. Auf dem Marsfeld entstanden ein Stadion sowie ein Odeion; auf dem Quirinal entstand ein Tempel für den Kult der Kaiserfamilie, das templum gentis flaviae. Der Kaiserpalast auf dem Palatin war jedoch das aufwendigste neue Bauwerk - er blieb fürderhin offizieller Wohnsitz der Kaiser.

Das 2. Jh. n. Chr.

Trajanische Zeit

Eines der größten Bauprojekte des frühen 2. Jhs. n. Chr. war das Forum Traiani, das inmitten eines dicht bebauten Areals im Zentrum der Stadt errichtet wurde, mit der Trajanssäule. Dabei mußte ein schwerer Eingriff in das Stadtbild vorgenommen werden. Denn um Platz für die riesige Anlage zu schaffen, mußte eigens der zwischen Quirinal und Kapitol liegende Felssattel abgetragen und die alte Bebauung - darunter das Atrium Libertatis - abgerissen werden. Hinzu kamen die direkt an das neue Forum anschließenden Trajansmärkte sowie die Trajansthermen auf dem Oppius.

Hadrianisch-antoninische Zeit

In der Regierungszeit des Hadrian und des Antoninus Pius erreichte die Bautätigkeit in Rom einen Höhepunkt. Prägend war hier die Errichtung ganzer Mietshausviertel (z.B. östl. der Via Lata in der VII. Region). Herausragend sind der Venus- und Roma-Tempel am Forum Romanum, die Hadriansvilla in Tivoli und das Mausoleum für die antoninische Familie.

Severische Zeit

nach einer erneuten Brandkatastrophe zur Zeit des Commodus wurden unter Septimius Severus viele ältere Monumente restauriert, so z. B. das Templum Pacis, die Horrea Piperataria und die Porticus Octaviae. Neubauten waren das Septizodium auf dem Palatin und schließlich die Caracallathermen und der Serapis-Tempel auf dem Quirinal. Die Struktur der Stadt zur Zeit des Septimius Severus ist in den Fragmenten der forma urbis romae überliefert, einem Katasterplan, der in einem der Räume des Templum Pacis angebracht war.

Das 3. Jh. n. Chr.

Im nahm die Bautätigkeit in Rom immer mehr ab; an bedeutenden Bauten kamen der Tempel des Heliogabal auf dem Palatin sowie der Sol-Tempel des Aurelian auf dem Marsfeld hinzu. Unter Aurelian erhielt die Stadt schließlich einen neuen Mauerring.

Das 4. Jh. n. Chr.

Im Jahre 283 n. Chr. verwüstete abermals ein Brand das Zentrum Roms und so wurden unter Diokletian das Caesarforum, die Curia Iulia, der Saturn-Tempel und das Pompeiustheater mit seinen Portiken wieder aufgebaut. Es entstanden die monumentalen Diokletiansthermen zwischen Viminal und Quirinal. Unter Maxentius erfolgte nochmals ein Bauboom: Wiederaufbau des Venus und Roma-Tempels, Bau der kaiserlichen Villa, des Circus und der Maxentius-Basilica, die von Konstantin vollendet wurde. Auf dem Quirinal entstanden die Konstantinsthermen. Konstantin richtete seine Aufmerksamkeit dann aber mehr auf Konstantinopel, in Rom war man jetzt nur noch mit der Instandhaltung der bestehenden Bauten befaßt, die mehr und mehr dem Ruin anheimfielen.

Literatur (Auswahl)
J.C. Anderson, The historical Topography of the Imperial Fora, Collection Latomus 182 (1984)
F. Coarelli, Roma. Guide archeologiche Laterza (1995) bzw.
F. Coarelli, Rom. Ein archäologischer Führer (1980) dt. aber veraltete Fassung
A. v. Heck, Breviarium Urbis Romae Antiquae (1977)
F. Kolb, Rom. Die Geschichte der Stadt in der Antike (1995)
G. Lugli, Fontes ad Topographiam Veteris Urbis Romae pertinentes libri I-XIX, 6 Bde. (1952. 1953. 1955. 1957. 1960. 1965)
E. Nash, Bildlexikon zur Topographie des antiken Rom I - II (1961. 1962)
S.B. Platner - Th. Ashby, A topographical Dictionary of ancient Rome (1929)
L. Richardson Jr., A new topographical Dictionary of ancient Rome (1992)
E.M. Steinby (Hrsg.), Lexicon Topographicum Urbis Romae I - IV (1993. 1995. 1996. 1999)

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Römische Porträts

Die für die Porträtforschung relevanten Begriffe:

1. Entwurf - Vorlage - Original
Am Anfang steht der Entwurf eines Porträts, das zu einem bestimmten Anlaß geschaffen wurde und einen bestimmten Bildnistypus verkörperte. Es lag hierin ein Original vor, das nun als Vorlage für Kopien diente.

2. Kopie
Das oben beschriebene, als Vorlage dienende Original wurde in großer Zahl - mehr oder weniger - detailgetreu kopiert und diese Kopien wurden sodann als offizielles Kaiserbildnis in sämtliche Teile des Römischen Reiches verschickt.

3. Typus
Die Gesamtheit der einzelnen Kopien, die auf dieselbe Vorlage zurückgehen, gehören demselben Typus an.

4. Repliken
Man spricht von Repliken, wenn mehrere Werke in dem Maße übereinstimmen, daß sie als Kopien desselben Originals angesehen werden können. Der Begriff Replik bezeichnet also das Verhältnis der Kopien untereinander.

Zur Definition der Begriffe: D. BOSCHUNG, Die Bildnisse des Augustus, Das Römische Herrscherbild I 2 (1993) 4 m. Anm. 48. 49; ältere Literatur: O. BRENDEL, Ikonographie des Kaisers Augustus (1931) 14; allgemein: G. LIPPOLD, Kopien und Umbildungen griechischer Statuen (1923); zum Kopierverfahren: M. PFANNER, Über das Herstellen von Porträts, JdI 104, 1989, 157-257.

Anlaß zur Schöpfung eines neuen Bildnistypus

  1. Adoption
  2. Regierungsantritt
  3. Decennalien (10-jähriges Regierungsjubiläum)
  4. Übernahme der Alleinherrschaft
  5. militärische Erfolge
  6. Heirat

Die verschiedenen Bildnisformen

  1. Einsatzköpfe für
  2. Panzerstatuen (z.B. Augustus von Prima Porta)
  3. Togastatuen (z.B. Togastatue des Augustus von der Via Labicana)
  4. Hüftmantelstatuen (z.B. Jupiterschema: Claudius)
  5. nackte Statuen
  6. mythologische Statuen (z.B. Hercules; Aphrodite; Ceres)

Anlaß - Aufstellung - Erscheinungsform

  1. Büsten
  2. Panzerbüsten
  3. Togabüsten
  4. Büsten mit Schulterbausch
  5. Kleinformatige Porträts
  6. Zierstücke an militärischen Ausrüstungsgegenständen und Waffen
  7. Zierscheiben am Pferdegeschirr (Phalera)
  8. Silbergeschirr
  9. Römische Staatsreliefs
  10. Kameen (z. B. Gemma Augustea, Grand Camee de France, Gemma Claudia)
  11. Münzen

Aufstellungsorte
Öffentlicher Bereich

  1. Theater
  2. Platzanlagen
  3. Thermen
  4. Portiken
  5. Heiligtümer

Privater Bereich

  1. Villen
  2. sepulkraler Zusammenhang



Bildnisse römischer Kaiser sind aus allen Teilen des Imperium Romanum erhalten und vermitteln eine Vorstellung davon, wie der jeweilige Herrscher in der Öffentlichkeit gesehen werden wollte. Sie dienen also nicht zur Illustration der dargestellten Persönlichkeit, sondern führen den Rang und die Leistungen positiv vor Augen. Den Porträts wird zudem durch ihre Aufstellung in der Öffentlichkeit ein repräsentativer Charakter verliehen. Aufgrund der Münzen können zahlreiche Bildnisse von Kaisern und ihren Angehörigen identifiziert werden. Die Benennung privater Porträts gestaltet sich hingegen schwieriger, da nur eine geringe und eher zufällige Auswahl derer vorliegt, die durch Inschriften identifizierbar sind. Die meisten Privatporträts müssen daher unbenannt bleiben. Sie lassen sich allenfalls hinsichtlich ihres Fundzusammenhanges - im öffentlichen, privaten und sepulkralen Bereich - bestimmten gesellschaftlichen Gruppen, Regionen oder Epochen zuordnen. Die Porträts stellen daher eine wichtige Quelle der römischen Kaiser und Sozialgeschichte dar.

Für die Archäologie und die Kunstgeschichte sind die Porträts von großer Bedeutung, da die gesicherten Kaiserbildnisse und die Abfolge bestimmter Modefrisuren eine verläßliche Grundlage der Stilgeschichte bilden.

1. Die Republikanische Zeit
2. Die Kaiserzeit
3. Die Spätantike
4. Die Privatporträts

Zur Entwicklung und Bedeutung der römischen Kaiser- und Privatporträts
Die Ursprünge des römischen Porträts sind im privaten Bereich des Totenkults sowie in der öffentlichen Aufstellung von Ehrenstatuen zu sehen.

Vom Gesicht des Verstorbenen wurde eine Wachsmaske abgenommen, die bei den Begräbnisfeierlichkeiten im Leichenzug mitgeführt wurden und später in der Ahnengallerie im Hause der Familie ihren Platz fanden (· Togatus Barberini). Die Porträts der Verstorbenen wurden auch in sepulkralem Zusammenhang aufgestellt, z. B. in Columbarien (als Büsten) oder in Grabbauten (· Kastengrabreliefs).

Öffentliche Ehrenstatuen nach griechischem Vorbild sind bereits im 4. Jh. v. Chr. bekannt (· sog. Brutus, um 300 v. Chr.). Im 2. - 1. Jh. v. Chr. erfolgte eine Rezeption griechischer Porträtkunst durch die Ausbreitung des römischen Reiches bis nach Griechenland und zu den hellenistischen Königreichen. So spiegeln sich zu jener Zeit z. B. die Porträts von der Insel Delos in den römischen Bildnissen (· sog. Feldherr von Tivoli, um 70 v. Chr.).

Die Aussage, die mit einem Bildnis vermittelt werden sollte, wandelte sich im Laufe der Zeit. Diese Veränderungen hinsichtlich der inhaltlichen Botschaft drücken sich in der Gestaltung des Gesichts und der Haartracht aus. In dieser Hinsicht orientieren sich die Privatporträts an denen der Herrscher und lassen sich somit zeitlich einordnen.

In der Republik bilden sich zwei Hauptaussagen heraus:

Durch ausgeprägte Alterszüge sollten die Erfahrung des Alters und die daraus resultierende Fürsorge und Verantwortung für die öffentlichen Dinge in Rom ausgedrückt werden.

Energische Gesichter und eine dynamisch bewegte Mimik hellenistischer Herrscher bezeichneten den energischen und erfolgreichen Feldherrn
Porträts - die Kaiserzeit

1. Jh. v. Chr. / 1. Jh . n. Chr.

Mit der Kaiserzeit tritt ein Wandel in der Art der Darstellung ein: Gegenüber den republikanischen Porträts zeichnen sich die Bildnisse des · Augustus durch klassizistische beruhigte Formen und idealisierte Züge aus; das Gesicht des Kaisers bleibt stets alterslos. Dieser Stil setzt sich unter den Nachfolgern des Augustus fort. Erst unter Nero zeigen sich wieder individuelle Züge, die beruhigten Formen werden zugunsten einer bewegteren und weicheren Modellierung aufgegeben.

Mit den Flaviern tritt ein Umbruch ein: Es wird Wert auf eine wirklichkeitsnahe Darstellung des Kaisers gelegt. Vespasian z. B. weist Altersmerkmale wie Glatze und Falten auf (diese Darstellungsweise erinnert an diejenige der Republik, unterscheidet sich aber grundlegend darin, daß das Inkarnat nicht so voluminös gebildet ist und die Falten daher eher aufgesetzt wirken. Auch die bei den republikanischen Porträts zu beobachtenden Asymmetrien fehlen bei den flavischen Köpfen). Von Titus, Domitian sowie Nerva wird diese Art der Darstellung aufgenommen.

2. Jh. n. Chr.

Bei den Porträts des Trajan werden diese ,realistischen" Züge wieder ein wenig zurückgenommen, ohne jedoch die klassizistische Stilisierung der Augustus-Porträts zu erreichen.

Mit Hadrian wird ein völlig neues Herrscherbild eingeführt, das bis Septimius Severus fortgesetzt wird. Der Vollbart und das lockige Haar bestimmen nun das Aussehen der Kaiser, im Laufe der Jahre kommen technische Neuerungen wie die Bohrungen der Pupille, die Ritzung der Iris sowie der Bohrereinsatz beim der Haar- und Bartgestaltung hinzu. Dabei wird der Hell-/Dunkelkontrast durch ein zunehmende Tiefe der Bohrungen immer stärker herausgearbeitet.

3. Jh. n. Chr.

Das Bildnis des Caracalla mit kurzer Haar- und Barttracht eröffnet die Reihe der Soldatenkaiser, deren hart eingekerbte Gesichtszüge, deren kurzgeschorene Frisur und deren Barttracht mit oberflächlicher - teilweise grob gepickter - Haarstruktur im gesamten 3. Jh. n. Chr. kennzeichnend bleiben. Der Umriß der Köpfe wird gegen Ende des Jahrhunderts eckiger und kantiger, die Formen in der Gesichtsbildung ,holzschnittartig".
Die Spätantike

4. Jh. n. Chr. - 6. Jh. n. Chr.

Charakteristisch sind die sehr blockhaft angelegten Formen. Ferner fallen die übergroßen Augen auf. Individuelle Merkmale werden vermieden; dies wird an den Porträts der Tetrarchen deutlich. Daher sind die Bildnisse ab dem 4. Jh. n. Chr. kaum zweifelsfrei durch Inschriften und Fundorte zu benennen oder zu datieren. Helfen können in diesem Falle nur die Vergleiche mit den Münzen oder den Elfenbeindiptychen.

Im 5. Jh. n. Chr. - z. B. bei den Bildnissen des Theodosius II. erhalten die Gesichter weichere, beinahe rundliche, jugendliche Formen. Beherrschend sind hier die großen Augen. Die Kaiser sind durch das Diadem gekennzeichnet. Der Aufbau der Gesichter erfolgt sehr schematisch: die einzelnen Elemente sind additiv zusammengesetzt und bilden keine Einheit mit dem Inkarnat. Typisch sind ferner die kappenartig in die Stirn gekämmten Haare. Bei der Datierung und Benennung helfen Münzen und Consulardiptychen. Eine Unterscheidung von Personen anhand von Bildnissen allein ist aufgrund der fehlenden individuellen Eigenschaften nicht möglich.

Die Privatporträts
Die römischen Privatporträts orientieren sich jeweils an denen des amtierenden Kaisers. Sie ahmen nicht nur die Frisuren der Kaiser und Kaiserinnen oder die Barttracht des Herrschers nach, sondern sie übernehmen auch bestimmte aussagekräftige physiognomische Merkmale, so daß sie kaum mehr von ihrem Vorbild zu unterscheiden sind.

Von Privatpersonen können sämtliche Statuentypen, die von den Kaisern und Kaiserinnen verwendet wurden, übernommen werden. So ist z. B. eine Bürgerin im Typus der knidischen Aphrodite mit flavischem Porträtkopf nichts ungewöhnliches.

Eine solche Benutzung eines ,Zeitgesichts", das vom Porträt des jeweils amtierenden Kaisers abhing, drängt die naturgetreue Porträtierung einer Person in den Hintergrund.

Literatur (Auswahl):
M.R. Alföldi, Bild und Bildersprache der römischen Kaiser (1999)
M. Bergmann, Studien zum römischen Porträt des 3. Jahrhunderts n. Chr. (1977)
M. Bergmann, Marc Aurel, Liebieghausmonographie 2 (1978)
M. Bergmann - P. Zanker, Damnatio memoriae. Umgearbeitete Nero- und Domitiansporträts. Zur Ikonographie der flavischen Kaiser und des Nerva, JdI 96, 1981, 317-419
D. Boschung, Die Bildnisse des Caligula (1989)
D. Boschung, Die Bildnisse des Augustus (1993)
D. Boschung, Die Bildnistypen der iulisch-claudischen Kaiserfamilie. Ein kritischer Forschungsbericht, JRA 6, 1993, 39-79
P. Cain, Männerbildnisse neronisch-flavischer Zeit (1993)
C. Evers, Les Portraits d´Hadrien (1994)
Fittschen - Zanker I - III
F. Johansen, Catalogue. Roman Portraits I. Ny Carlsberg Glyptotek (1994)
F. Johansen, Catalogue. Roman Portraits II. Ny Carlsberg Glyptotek (1995)
F. Johansen, Catalogue. Roman Portraits III. Ny Carlsberg Glyptotek (1995)
A. Mlasowsky, Herrscher und Mensch. Römische Marmorbildnisse in Hannover, Ausstellungskatalog (1992)
K. Stemmer, Fragment einer kolossalen Panzerstatue Domitians? Zur Kolossalität in flavischer Zeit, AA 1971, 563-580
S. Wood, Roman Portrait Sculpture 217 - 260 A.D. (1986)
J. Inan - E. Alföldy-Rosenbaum, Römische und frühbyzantinische Porträtplastik aus der Türkei. Neue Funde (1979)
S. Sande, Zur Porträtplastik des sechsten nachchristlichen Jahrhunderts, ActaAArchHist 6, 1975, 65-106
H.G. Severin, Zur Porträtplastik des 5. Jhs. n. Chr. (1972)
Spätantike und frühes Christentum, Ausstellungskatalog Frankfurt (1983)
R.H.W. Stichel, Die römische Kaiserstatue am Ausgang der Antike. Untersuchungen zum plastischen Kaiserporträt seit Valentinian I. (364-375 n. Chr.) (1982)

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Römische Gemmen und Kameen

Bearbeitung und Material
Die Glyptik (Steinschneidekunst) gehört der Gattung Relief- bzw. Flächenkunst an. Der Künstler ist jeweils an die Möglichkeiten des Materials sowie die vorgegebene Größe des jeweiligen Trägers gebunden. Als Vorbilder konnten die großen Reliefs und die Malerei herangezogen werden.

Man unterscheidet in der Glyptik zwischen Gemmen und Kameen. Bei den Gemmen wird das Bild hineingeschnitten, bei Kameen hingegen in erhöhtem Relief gearbeitet.

Zu den für die Gemmen am meisten verwendeten Steinen zählen Karneol (rot), Smaragd (grün), Sard (braun), Jaspis, Amethyst, Aquamarin, Beryll, Granat, Saphir.

Für die Anfertigung von Kameen benötigte man Steinarten, die aus mindestens zwei verschieden gefärbten Schichten bestanden. Man benutzte Sardonyx (nat. Komposit), Onyx, Achat.

Die Herstellungstechnik (nach Zwierlein-Diehl 18-20)
Die Bearbeitung der für eine Gemme oder einen Kameo vorgesehenen Steine erfolgte mittels eines rotierenden Werkzeuges, dem sog. Zeiger. Dieser war wahrscheinlich fixiert und das zu bearbeitende Objekt wurde daran entlanggeführt. Diese Technik ermöglichte ein präzises Arbeiten auf engstem Raume.

Es gab Zeiger mit den unterschiedlichsten Werkspuren (Abb. Zwierlein-Diehl 20), die dem Gemmenschneider ein sehr breites Spektrum an Möglichkeiten boten.

Als Schleifmittel verwandte man Korund aus Naxos (sog. Naxium).

Verbreitung und Verwendungszweck
Gemmen erfreuten sich bereits in republikanischer Zeit großer Beliebtheit. Man legte Sammlungen an, die vor allem besonders wertvolle Stücke oder aber Kuriositäten enthielten.

Man verwandte die Gemmen hauptsächlich - in einen Fingerring gefaßt - als Siegel; ferner dienten sie als Geschenke, zum Schmuck von Gefäßen oder aber als Propagandamaterial (in einer Billigversion aus bunter Glaspaste).

Die Darstellungen richteten sich meist nach dem Verwendungszweck und zeigten den göttlichen Schutzpatron, den Lieblingsphilosophen, das Geburtsgestirn oder ein Porträt. Dienten Gemmen ausschließlich als Schmuckstücke, dann wurden sie auch mit mythologischen, idyllischen oder religiösen Szenen, mit Kopien von Kunstwerken oder Porträts versehen.

Kameen hingegen waren zunächst weniger verbreitet und erfuhren erst in der augusteischen Zeit einen Aufschwung. Ihre Verbreitung beschränkte sich jedoch hauptsächlich auf das Kaiserhaus und die kaiserliche Schatzkammer. Diesem Umstand ist wahrscheinlich der relativ große Bestand an erhaltenen Stücken zu verdanken, denn hätte sich das Material mehr in Privatbesitz befunden, so wäre der Bestand mit Sicherheit viel stärker verstreut worden. Die kaiserliche Schatzkammer war wohl im Wesentlichen noch intakt, als sie 326/330 n. Chr. nach Konstantinopel überführt wurde. Im Mittelalter schließlich gelangten die Steine zunächst peu à peu nach Westeuropa (als Geschenke, so z.B. mit dem Brautschatz der Theophanu), dann in größerem Umfang nach der Plünderung Konstantinopels im Jahre 1204. Sie fanden ihren Weg in die Kirchenschätze und von dort während der Aufklärung in die öffentlichen Sammlungen.

Den Angehörigen des Kaiserhauses dienten die Kameen als Geschenke untereinander, für Freunde oder hohe Würdenträger.

Zunächst besitzen sie noch relativ kleines Format und zeigen mythologisch oder philosophisch auszulegende Darstellungen, dann aber thematisierten sie fast ausschließlich die Verherrlichung des Kaisers und des Kaiserhauses. Sie erhielten damit einen offiziellen Charakter und verkündeten durch ihre Bilder Siege, kaiserliche Hochzeiten, den Wohlstand des Landes oder den göttlichen Status des Kaisers.

Die Blütezeit der Kameen erstreckte sich vor allem auf die augusteische und iulisch-claudische Zeit. Die Tradition setzt sich im 2. Jh. n. Chr. fort, kommt aber im 3. Jh. n. Chr. - in der Zeit der Soldatenkaiser - fast vollständig zum Erliegen, da sich die Glyptik zu einer ausgesprochenen Hofkunst entwickelt hatte.

Literatur (Auswahl):
A. Furtwängler, Königliche Museen zu Berlin. Beschreibung der geschnittenen Steine im Antiquarium (1896)
A. Furtwängler, Die antiken Gemmen I - III (1900)
A. Krug, Antike Gemmen im Römisch-Germanischen Museum Köln, Wissenschaftliche Kataloge des Römisch-Germanischen Museums Köln, IV. Sonderdruck aus BerRGK 61, 1980, 151-260
W.-R. Megow, Kameen von Augustus bis Severus Alexander, AMuGS XI (1987)
H. Möbius, Zweck und Typen der römischen Kaiserkameen, ANRW II 12.3, 32-88 (1985)
W. Oberleitner, Geschnittene Steine. Die Prunkkameen der Wiener Antikensammlung (1983)
G. Platz-Horster, Die antiken Gemmen im Rheinischen Landesmuseum Bonn (1984)
G. Platz-Horster, Die antiken Gemmen aus dem Rheinischen Landesmuseum Xanten I - II (1987, 1994)
M.L. Vollenweider, Die Steinschneidekunst und ihre Künstler in spätrepublikanischer und augusteischer Zeit (1966)
M.L. Vollenweider, Die Porträtgemmen der römischen Republik I - II (1972, 1974)
E. Zwierlein-Diehl, Die antiken Gemmen des Kunsthistorischen Museums in Wien I - III (1973,1979,1991)
E. Zwierlein-Diehl, Die antiken Gemmen des Dreikönigenschreins (1998).
P. Zazoff, Die antiken Gemmen, HdArch (1983)

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Römische Staatsreliefs

Die römischen Reliefs wurden in der älteren Literatur als 'Historische Reliefs' bezeichnet, da man in der früheren Forschung davon ausging, daß darauf konkrete historische Ereignisse dargestellt seien. Da die auf den Reliefs gezeigte Thematik z. T. sehr stereotyp ist und sich kaum auf bestimmte Ereignisse beziehen läßt, sondern eher der Vermittlung politischer Inhalte zu dienen scheint, spricht man nunmehr von 'Staatsreliefs'.

Am häufigsten sind militärische Szenen oder religiöse Zeremonien auf den Reliefs zu sehen, oft auch Geldverteilungen. Die Szenen ähneln sich alle im Aufbau, wobei bestimmte Bildchiffren immer wieder zur Anwendung kommen.

Die Reliefs heben die positiven Eigenschaften und die Verdienste des Kaisers immer wieder besonders hervor, vermitteln also eine politische Botschaft und werden daher eher einer Bezeichnung als 'Staatsreliefs' gerecht. Die neuere Forschung untersucht deshalb vor allem die ideologische Botschaft dieser Denkmälergattung.

Typische Darstellungen stammen aus folgenden Bereichen:

  1. Militär: adventus, profectio, adlocutio, Schlacht, Stadteroberung, Triumphzug
  2. Religion: Opfer und Opfervorbereitung, Prozession
  3. Kontakt Kaiser - Volk: congiarium, Ansprache

Der Kaiser repräsentiert innerhalb der gezeigten Szenen politische Leitvorstellungen wie pietas, virtus, iustitia, clementia, liberalitas, fides und concordia.

Vorkommen: Bei den Staatsreliefs handelt es sich nicht um selbständige Werke, sondern um großformatige Bilder, die z. B. an Tempeln, Altären, Statuenbasen, Ehrenbögen oder Ehrensäulen angebracht waren.

Vorläufer: Die Vorläufer des Staatsreliefs sind bereits im klassischen Griechenland auszumachen. Hier werden öffentliche Monumente mit historischen oder politischen Themen versehen (z. B. der Nike-Tempel auf der Akropolis in Athen oder die Stoa Poikile auf der Agora von Athen)

Was in Griechenland die Verherrlichung von Ruhm und Leistung (kriegsbezogen) war, entwickelt sich in Rom zur Verherrlichung bestimmter, z.T. abstrakter Tugenden des Kaisers.

Literatur (Auswahl):
F. Fless, Opferdiener und Kultmusiker auf stadtrömischen historischen Reliefs (1995)
A. Giuliano, Arco di Costantino (1956)
F.J. Hassel, Der Trajansbogen in Benevent (1966)
T. Hölscher, Staatsdenkmal und Publikum. Vom Untergang der Republik bis zur Festigung des Kaisertums in Rom (1984)
T. Hölscher, Victoria Romana. Archäologische Untersuchung zur Geschichte und Wesensart der römischen Siegesgöttin von den Anfängen bis zum Ende des 3. Jhs. n. Chr. (1967)
Kaiser Augustus und die verlorene Republik, Ausstellungskatalog Berlin (1988)
G.M. Koeppel, BJb 183, 1983 bis BJb 192, 1992 (für alle Reliefs)
H.P. L´Orange - A. von Gerkan, Der spätantike Bildschmuck des Konstantinsbogen (1939)
M. Pfanner, Der Titusbogen, Beiträge zur Erschließung hellenistischer und kaiserzeitlicher Skulptur und Architektur 2 (1983)
M. Roehmer, Der Bogen als Staatsmonument. Zur politischen Bedeutung der römischen Ehrenbögen des 1. Jhs. n. Chr. (1997)
J. Ronke, Magistratische Repräsentation im römischen Relief (1987)
E.M. Steinby (Hrsg.), Lexicon Topographicum Urbis Romae I - IV (1990 - 1999)
M. Torelli, Typology and Structure of Roman Historical Reliefs (1982)

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Römische Wandmalerei

Die vier Stile
Die Einteilung der römischen Wandmalerei in die unterschiedlichen Stile erfolgte erstmals Mitte des 19. Jhs. durch A. Mau. Dieser hatte erkannt, daß sich die Wanddekorationen in vier typlogisch zu unterscheidende und chronologisch aufeinander folgende Stile einteilen ließen.

Als chronologische Anhaltspunkte zur Datierung der Stile dienen vor allem die durch Baugeschichte, Bautechnik oder Graffitti bestimmbaren festen Daten z. B.:

Wandmalereien aus dem Haus des Augustus auf dem Palatin. Die genaue Bauzeit (zwischen 36 v. Chr. und 27 v. Chr.) ist bekannt, da die antiken Quellen darüber berichten (36 v. Chr.: Kauf des Baugrundstücks, 27 v. Chr.: Verzierung des Eingangs mit Lorbeerbäumen: die dekorative Ausstattung muß also bis dahin fertig gewesen sein). Zahlreiche Dekorationen des Zweiten Stils wurden gefunden.

Da die Cestius Pyramide inschriftlich auf 12 v. Chr. zu datieren ist, lassen sich die Dekorationen ebenfalls datieren.

Das Erdbeben 62 n. Chr. und der Vesuvausbruch 79 n. Chr. Bilden die Datierungsgrundlagen für den vierten Stil in Pompei.

Die Einteilung in vier Stile bezieht sich nicht auf die figürliche Darstellung, sondern auf die Gestaltungsprinzipien, d h. auf die unterschiedliche Aufteilung der jeweils gesamten Wandfläche.

Der erste Stil (ca. 200 - 80 v. Chr.)
Durch die Bemalung von Stuckfeldern werden Marmorverkleidungen und -inkrustationen simuliert; ebenso werden verschiedene Marmorsorten imitiert.
Der Wandaufbau besteht aus Podest, Orthostaten und Gesims.
Im Gegensatz zu den späteren Stilen werden Platten und Paneele durch wirkliche Erhebungen imitiert, d. h. die Wände waren reliefiert.

Beispiele: Pompei - Haus des Faun, Haus des Sallust; Herculaneum - Casa Samnitica

Der zweite Stil (ca. 80 - 20 v. Chr.)
Man bemühte sich, den Eindruck von räumlicher Tiefe und Weite zu erzeugen. Die geschlossene Wand des 1. Stils brach auf und gab Durchblicke auf Heiligtümer oder andere Architektur frei: Die illusionistische Darstellung einer Reihe von Säulen und Pilastern auf einem Postament, durch die man in die Ferne blickte. Mitunter wurden diese illusionistischen Räume von menschlichen Gestalten bevölkert. Häufig wurden Odysseelandschaften dargestellt.

Beispiele: Casa dei Grifi, Casa del Labirintho, Villa dei Misteri, Casa delle Nozze d` Argento, Villa von Boscoreale, Villa von Oplontis.

Der dritte Stil (ca. 20 v. Chr. - 50 n. Chr.)
Der dritte Stil stellte wohl eine Reaktion auf den perspektivischen Illusionismus des vorhergehenden Stils dar. Die grundsätzliche Aufteilung der Wände in Sockelzone, Mittelwand und Oberwand blieb erhalten. Dabei konnte die Mittelwand durch Paneele, Säulenreihen oder eine zentrale von Säulen getragene Ädikula gegliedert werden. Die hellgrundigen Oberfelder zeigten häufig Gesimse oder Obergeschosse, die von Akroteren - Statuen oder Phantasiewesen) bekrönt wurden.

Eine sehr wichtige Rolle spielte das zentrale aufgemalte Wandbild, das ein an der Wand hängendes Gemälde imitierte und sehr häufig mythologische Szenen zeigte.

Die im zweiten Stil entwickelten Durchblicke wurden nun aber wieder durch dunkle Flächen geschlossen. Die gemalte Architektur erscheint in flüchtigen und phantastischen Formen. Kennzeichnend sind die Einteilung der Flächen in Paneele, Dekorativismus, Kalligraphismus, plastischer und linearer Charakter der einzelnen Elemente, Unterordnung der Figuren unter den Raum.

Beispiel: Haus des Lucretius Fronto

Der vierte Stil ( ca. 50 - 79 n. Chr.)
Hier wurden die perspektivische, auf Raumwirkung ausgelegte Darstellung des zweiten Stils sowie die phantastischen Architekturgebilde des dritten Stils miteinander verbunden; dem vierten Stil liegt also ein eklektischer Charakter zugrunde. Es erfolgte eine erneute Öffnung der Wand und die Wiederaufnahme der Architekturmalerei des zweiten Stils, mit zum Teil jedoch irrealem Charakter.
Weitere Charakteristika: Architekturprospekte mit eingestellten, wie lebend wirkenden Figuren

täuschend ähnliche Nachahmung des dritten Stils

überladene Ornamentik; Imitation von Bühnendekorationen und - architektur römischer Theater

durch Tapetenmuster und Ornamentstreifen flächig gegliederte Felder, die innen oft weißgrundig und mit bunten Ornamentstreifen oder Pinakes verziert sind. Die Pinakes können Landschaftsbilder zeigen.

Literatur (Auswahl):
L. Curtius, Die Wandmalerei Pompejis2 (1960)
W. Ehrhardt, Stilgeschichtliche Untersuchungen an römischen Wandmalereien von der späten Republik bis zur Zeit Neros (1987)
L. Eschebach - J. Müller-Trollius (Hrsg.), Gebäudeverzeichnis und Stadtplan der antiken Stadt Pompeji (1993)
A. Mau, Geschichte der dekorativen Wandmalerei in Pompeji (1882)
H. Mielsch, Funde und Forschungen zur Wandmalerei der Prinzipatszeit von 1945 - 1975 mit einem Nachtrag von 1980, in: ANRW II 12,2 (1981) 158 ff.
Pompei, Pitture e Mosaici, Enciclopedia dell` arte antica classica e orientale I - VIII (1990 - 1998)
K. Schefold, Pompejanische Wandmalerei (1952)
K. Schefold, Die Wände Pompejis (1957)
K. Schefold, Vergessenes Pompeji (1962)
R. Thomas, Die Dekorationssysteme der römischen Wandmalerei von augusteischer bis in trajanische Zeit (1995)
G. Vallet, La Peinture de Pompéi I (1993)

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Römische Thermen

Definition der Begriffe thermae und balnea
Öffentliche wie private Bäder wurden zunächst als balnea oder balneae (von Sg. balneum = Bad) bezeichnet. Die Varianten balnearia, balneolum oder balneola kommen in der lateinischen Literatur ebenfalls vor.

Die Bezeichnung von Bäderanlagen als thermae erscheint erst in der 2. Hälfte des 1. Jhs. n. Chr. Der Begriff leitet sich vom griechischen thermós = heiß her.

Beide Begriffe existieren dann nebeneinander, wobei sich balnea meist auf private Anlagen von einfacherer Form und geringerer Ausstattung bezieht, während mit thermae die großen, sehr aufwendigen Anlagen gemeint sind (z.B. die Kaiserthermen).

Das Angebot
Schwitzräume, Heiß-, Warm- und Kaltwasserbecken oder -wannen, Schwimmbecken, geheizte Räumlichkeiten und Palästra zählen zu den Grundeinrichtungen einer gut ausgestatteten Therme.

Diese monumentalen Bäder boten den Besuchern aber nicht allein eine Badekultur und alles, was zur Körperpflege dazugehört (Massage, Friseur, Epilation), sondern auch die verschiedensten Möglichkeiten von Sport und Bewegung (Ballspiele, Hanteltraining, Leichtathletik, Ringkampf), Gastronomie und kulturellen Veranstaltungen (Dichter, Philosophen, Rhetoren; Bibliotheken). Zudem gab es Gesellschaftsräume, in denen man sich aufhalten und Neuigkeiten austauschen konnte.

Thermenanlagen wurden durch ihre Ausstattung und das umfangreiche Angebot an Aktivitäten zu einem beliebten Treffpunkt.

Gesamtaufbau und Raumaufteilung
Für die Lage sämtlicher Baderäume wurde stets die Süd- oder Westseite gewählt, damit die Sonnenenergie möglichst ausgenutzt werden konnte und die Ausdehnung der Außenwandflächen nicht zu groß wurde. Die Räume des Badeteils waren stets überwölbt, meist mit Tonnen- oder Kreuzgewölben.

Eine Thermenanlage besteht im zentralen Gebäude aus drei völlig voneinander getrennten Raumgruppen:
Heizanlage mit Präfurnien, Hohlräumen, Abzügen als Energiespender und Wärmeträger, Warmwasserbereitungsanlage, Wasserzuführung und Kanalisation

Bedienungsanlage: Zugänge für die Bedienung, für den Transport des Heizmaterials mit Lagerungsmöglichkeiten und Trocknungsanlagen für das Holz

Räume für die Benutzer, die von dem riesigen luft- und gasundurchlässigen Wärmeträger umschlossen wurden.

In manchem Grundriß kamen auch Kuppeln vor. Die Wände mußten aus technischen Gründen ganz glatt sein. Nischen und Apsiden gab es nur für die Wannen, ansonsten waren die Wände frei von jeglichen Vorsprüngen und Nischen. Als Wandverkleidung wurden Marmorplatten, Tonplatten und Glasmosaik für die Räume mit hoher Luftfeuchtigkeit verwendet.

Die einzelnen Benutzerräume
Caldarium: das repräsentative Heißwasserbad. Lage fast immer an der Südseite, damit Licht und Sonnenwärme möglichst stark ausgenutzt konnten. Typisch bei den großen Anlagen sind drei Wannen in drei Apsiden. Häufig ist das Caldarium mit großen, fast bis auf den Boden reichenden Fenstern ausgestattet.

Tepidarium: Warmwasserbad, gehörte also zu den beheizten Räumen und stellte in der Mittelachse der Anlage die Verbindung zwischen Warm- und Kaltbad her. Das Tepidarium war immer hypokaustiert, besaß allerdings kein eigenes Präfurnium. Mitunter waren auch hier Wannen aufgestellt.

Es gab noch weitere Warmräume, deren Funktion bislang nicht geklärt werden konnte.

Frigidarium: Kaltwasserbad. Der Art der Wannenanordnung in den Frigidarien waren keine Grenzen gesetzt und so gab es die unterschiedlichsten Gestaltungsweisen solcher Kaltbäder.

Natatio: Das große Schwimmbecken lag meist auf der Rückseite der Anlage, eingegliedert in die Gestaltung der Palästra.

Laconicum/Sudatorium: Heißluftsaal entspricht der heutigen Sauna

Apodyterium: An- bzw. Auskleideraum

Weitere Räumlichkeiten für das Salben mit Öl, Körperpflege (z. B. Haarentfernung = destrictarium), die mit Sicherheit auch zu den geheizten Räumen gehörten. Hinzu kamen Bewegungs- Sport und Gesellschaftssäle.

Reihenfolge und Anordnung der Benutzerräume
In der Abfolge und Anordnung der Benutzerräume lassen sich gewisse Schemata feststellen, die jedoch keineswegs allzu streng eingehalten wurden, wenn die örtliche Situation keines der üblichen Schemata zuließ. s. Brödner

  1. Reihenbad
  2. Doppeltes Reihenbad für Männer und Frauen
  3. Ringanlage: Benutzung im Rundgang
  4. Thermen mit Verdoppelung einzelner Abschnitte
  5. Symmetrisch vergabelter Ringtyp
  6. Kleiner Kaisertyp
  7. Großer Kaisertyp

Beispiele: Das Forumsbad in Pompeji, Das Forumsbad in Herculaneum, Das Bad in Isthmia.

Wasser- und Heiztechnik
Für die Aufrechterhaltung einer angenehmen Raumtemperatur und die Bereitung warmen Wassers war ein ausgeklügeltes Heizsystem zuständig, das sich aus folgenden Komponenten zusammensetzte.

Heizung
Heizräume mit praefurnium, einer Feuerstelle, an der trockenes Holz verbrannt wurde, gehörten zu den Heißluft- und Heißwasserräumen. Die erwärmte Luft und die Rauchgase zogen durch die Hypokaustenanlagen (Fußbodenheizung) und in späterer Zeit zusätzlich auch durch die tubuli (Röhren der Wandheizung) in den Wärmeräumen. Dadurch strahlten Boden und Wände gleichmäßig Wärme ab. Auf diese Weise wurden wärmeentziehende Außenwände und Zugluft vermieden. Die Innenraumtemperatur konnte durch die Größe der jeweiligen Heizflächen, die Zahl der Präfurnien und das Hintereinanderschalten indirekter Hohlräume beeinflußt werden.

Das bei den Thermenanlagen vorliegende System der Strahlungsheizung (2/3 über wärmeleitende Fußböden und Wände) und der Konvektionsheizung (1/3 über Erwärmung der an den warmen Wänden vorbeistreichenden Raumluft) bietet für die Versorgung eines großen Raumkomplexes mit ,Dauerbetrieb" die effektivste und wirtschaftlichste Möglichkeit von 90 % Wärmeenergie. Bei 400 bis 600°C im Präfurnium beträgt die Ausgangstemperatur der Rauchgase 40°C.

Warmwasser
Die Warmwasserbereitung erfolgte im Präfurnium, indem das Wasser in einem Metallboiler über dem Feuer erwärmt und über Wasserleitungen in die entsprechenden Becken geleitet wurde. Zusätzlich bediente man sich mitunter der sog. testudo, einem Bronzebehälter, der sich vom Präfurnium aus bis unter die mit warmem Wasser zu versorgende Wanne erstreckte und diese von unten beheizen konnte

Ausstattung
Mosaiken
Böden, Wände und auch Gewölbe vor allem der Naßräume wurden mit Mosaiken ausgeschmückt. Auch die Sporträume konnten so ausgestattet sein.

Wandgestaltung
Beispiele von Stuck und Wandmalerei (z. B. die Stabianerthermen) sind erhalten; diese Dekorationsart hat sich aber wegen der hohen Feuchtigkeit in den Feuchträumen nicht bewährt. Marmorinkrustationen, Mosaik oder Marmorplatten wurden dagegen gerne genommen, da sie sich zur Auskleidung von feuchten und warmen Räumen sehr gut eigneten.

Skulpturen
Gottheiten, mythologische Szenen, Heroen, Porträts, vor allem auch von Angehörigen der kaiserlichen Familie oder Kopien berühmter griechischer und hellenistischer Werke gehörten zur obligatorischen Statuenausstattung der größeren Badeanlagen.

Architekturelemente
Möglichkeiten solche Thermenanlagen luxuriös und prächtig auszustatten boten sich in der Gestaltung von Architekturteilen wie Wasserspeiern, Architraven, Kapitellen (z. B. Figuralkapitelle) oder Flachreliefs und Brüstungen.

Benutzung
Benutzer:
Männer und Frauen getrennt, wenn nicht räumlich so doch zumindest zeitlich.

Badezeiten:
Informationen über die Badezeiten und den Ablauf des Badebetriebes verdanken wir den antiken Schriftstellern wie Seneca, Iuvenal, Petron, Martial.

Badebetrieb im Haupttrakt der Thermen:
Winter: 6. Stunde (Frauen) / 9. Stunde (Männer) bis Ende.
Sommer: 6. Stunde (Frauen) / 8. Stunde (Männer) bis Ende
Betrieb in den Seitenräumen für alle wohl ab der 5. Stunde.

Literatur (Auswahl):
E. Brödner, Die römischen Thermen und das antike Badewesen (1983)
P. Gros, L` Architecture Romaine I (1996) 388 - 417
D. Krencker - E. Krüger - H. Lehmann - H. Wachtler, Die Trierer Kaiserthermen I. Ausgrabungsbericht und grundsätzliche Untersuchungen römischer Thermen (1929) Grundlegend zur Typologie
H. Manderscheid, Die Skulpturenausstattung der kaiserzeitlichen Thermenanlagen (1981)
H. Manderscheid, Ausführliche Bibliographie zum römischen Badewesen unter besonderer Berücksichtigung der öffentlichen Thermen (1988)
I. Nielsen, Thermae and Balneae. The Architecture and Cultural History of Roman Public Baths 2 Bde. (1990)

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Römische Thracht

Die Toga
Die toga war die offizielle Tracht des römischen Bürgers. Sie schied diesen von denjenigen Personengruppen, denen es nicht gestattet war, die toga anzulegen: Sklaven, Verbannten und allen Personen, die kein römisches Bürgerrecht besaßen Zunächst trugen alle römischen Bürger - unabhängig von Alter und Geschlecht - die toga, spätestens unter Augustus wurde für die verheiratete Frau die stola als offizielles Gewand eingeführt. Unter der toga wurde die tunica getragen, ein einfaches Untergewand mit kurzen Armeln. Von beiden Schultern lief hinten sowie vorne jeweils ein roter Streifen (clavus) bis zum Saum hinab. Die Breite der Streifen hing - seit augusteischer Zeit - vom gesellschaftlichen Stand des Trägers ab: breite Streifen bei Beamten und Senatoren, schmalere bei Rittern.

Form
Die Grundform des Stoffes war in republikanischer Zeit halbkreisförmig. In augusteischer Zeit bildete der Schnitt einen großen Halbkreis, dem ein zweiter, kleinerer Halbkreis angesetzt war. So kam bei der Drapierung eine doppelte Stofflage zustande (Abb.).

Stoffqualität
dicke Wolle im Winter; im Sommer dünneres Material.

Farbliche Gestaltung
Es war festgelegt, mit welcher farblichen Gestaltung der einzelne seine soziale oder politische Stellung zum Ausdruck bringen konnte:

toga praetexta
mit einem Purpustreifen gesäumte toga, die von Knaben zusammen mit der bulla getragen wurde.

toga virilis
Knaben trugen diese helle toga, nachdem sie durch das tirocinium fori in das Erwachsenenalter eingeführt worden waren.

toga candida
diese ganz weiße toga wurde von dem Amtsbewerber, dem candidatus, getragen.

toga praetexta
wurde vom Magistrat nach seiner Wahl als vestis forensis getragen; der Purpurstreifen galt hier als Amtsabzeichen des römischen Beamten.

Sonderformen:

toga picta
Triumphalornat. Grundfarbe Purpur mit Verzierungen, die sich nur noch aus spätantiken Darstellungen rekonstruieren lassen (kreis- oder sternförmig angeordnete Blattmuster, vielleicht auch figürliche Ornamente).

trabea
Festgewand der Ritter sowie der Salier. Grundfarbe Purpur mit scharlachroten Streifen.

laena
Bei der laena handelt es sich um eine Sonderform der toga. Die Form entstand durch die Verdoppelung des halbkreisförmigen Togaschnittes zu einer nahezu runden Form, die wiederum zu einem Halbkreis zusammengelegt und wie ein großer Schal um die Schultern drapiert wurde und beide Arme verhüllte. Zusammen mit dem apex, einer enganliegenden Kappe mit einem nach oben ragenden Sporn, gehörte die laena zur Tracht der flamines (Sonderpriester für bestimmte Gottheiten oder konsekrierte Kaiser).

Die Stola
Die stola war ein langes, in der Regel bis auf die Füße reichendes, ärmelloses Gewand, das über der tunica (dem Untergewand) und unter der palla (dem Mantel) getragen wurde. Den antiken Schriftquellen zufolge war die stola im allgemeinen wohl rot und besaß einen Purpurstreifen an ihrem unteren Saum. Am Trägeransatz des Gewandes war die instita (der Besatz) angebracht, die variabel gestaltet werden konnte. Bei den römischen Frauen-Porträts ist die stola an ihrem V-förmigen Ausschnitt und dem gut sichtbaren Besatz leicht zu identifizieren.

Die stola war das spezifische Kleidungsstück einer römischen matrona. Der Status der matrona kam nur einer freien Frau mit römischem Bürgerrecht zu, die mit einem römischen Bürger verheiratet war. So kam der stola eine wichtige Rolle zu, denn sie kennzeichnete die Stellung der Frau in der Familie und der Gesellschaft. Die stola stand überdies nur ehrbaren Frauen mit tadellosem Lebenswandel zu. Als weitere Trachtbestandteile der matrona kommen die palla (Mantel) und ferner die tunica oder calasis (tunikaähnliches, auf den Schultern und Armen geknöpftes Untergewand), die unter der stola getragen werden, hinzu.

Die stola taucht in der bildenden Kunst bereits in der späten Republik vereinzelt auf. Besonders häufig ist sie bei Darstellungen augusteischer Zeit zu finden (vgl. Ehegesetzgebung des Augustus). In claudisch-neronischer Zeit werden die Darstellungen der stola rar. In flavischer, trajanischer und antoninischer Zeit erlebt die Darstellung noch einmal einen Höhepunkt, um unter Marc Aurel ganz aus der bildenden Kunst zu verschwinden.

Die Paenula
Als paenula bezeichnet man ein ,kegelförmiges" ärmelloses Obergewand mit meist V-förmigem Ausschnitt. Es bestand aus Wolle, in manchen Fällen wurden auch leichtere und elegantere Stoffe verwandt. Die paenula diente als Winter- und Reisemantel und wurde direkt über der tunica getragen. Ab dem 2. Jh. n. Chr. wurde sie als öffentliches Gewand immer häufiger anstelle der toga getragen, ab dem 4. Jh. n. Chr. ersetzte sie diese sogar.

Das Sagum
Mantel des einfachen Soldaten

Das Paludamentum
Offiziersmantel, purpur oder weiß, im Schnitt dem sagum entsprechend.

Literatur (Auswahl):
H.R. Goette, Studien zu römischen Togadarstellungen, Beiträge zur Erschließung hellenistischer und kaiserzeitlicher Skulptur und Architektur 10 (1990)
B.I. Scholz, Untersuchungen zur Tracht der römischen matrona (1992)
F. Kolb, Römische Mäntel: Paenula, Lacerna, Mandye, RM 80, 1973, 69-167
J.L. Sebesta - L. Bonfante (Hrsg.), The World of Roman Costume (1994) mit ausführlicher Bibliographie

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