Projektbeschreibungen laufender Dissertationen Klassische Archäologie

Thomas Knosala
Die Grabrepräsentation der Elite in Mittelitalien
  1. Betreuer: Prof. Dr. Michael Heinzelmann und Prof. Dr. Henner von Hesberg

Im römischen Kulturbereich kam der Grabstätte für die Selbstdarstellung im öffentlichen Raum eine zentrale Rolle zu. Anders als in dem durch Gesetze stark reglementierten, innerstädtischen Bereich, welcher eine individuelle, nach außen gerichtete Repräsentation nur in einem geringen Maß zuließ, boten die Nekropolen in dieser Hinsicht geradezu einen Freiraum. Auf diese sich hier gebenden Möglichkeiten griff man gerne zurück, zumal Grabbauten häufig schon zu Lebzeiten errichtet wurden sowie ferner auch nach dem Tod des Grabherrn für die Hinterbliebenen ein statusdefinierendes sowie selbst-konstituierendes Denkmal darstellten.
Vor diesem Hintergrund ist es nun nicht weiter verwunderlich, dass der Grabbau neben seiner Grundfunktion, die Bestattung einer oder mehrerer Personen aufzunehmen und dauerhaft zu markieren, ebenso als >Medium< begriffen wurde, anhand dessen man sich selbst sowie auch seine Familie in einem möglichst positiven Licht in Szene setzen konnte. Entsprechend der eigenen Person versuchte man daher, seinen sozialen Stand sowie damit zusammenhängende, repräsentationswürdige Aspekte, z.B. die politische Karriere, den ausgeübten Beruf, Reichtum oder persönliche moralische Werte, möglichst geschickt durch das Grabmonument zu thematisieren. Die Art und das Ausmaß, wie dies praktiziert wurde, hing dabei von den jeweiligen zeitlich bedingten gesellschaftlichen Normen ab, in denen sich wiederum zeitgenössische politische wie soziale Verhältnisse widerspiegeln.
Anhand der Studie wird zum ersten Mal versucht, ein umfassendes und zuverlässiges Bild der Grabrepräsentation der Elite, also des ordo equester und senatorius, von der Republik bis in spätseverische Zeit in Mittelitalien zu erstellen. Die Betrachtung genau dieser beiden Bevölkerungsschichten im Rahmen der Untersuchung erklärt sich aus ihrer Bedeutung für den gesamten römisch-sepulkralen Bereich. So kann für die Elite aufgrund ihres finanziellen und machtpolitischen Potentials ein besonderer Stellenwert bei der Entwicklung und dem Gebrauch repräsentativer Elemente am Grab angenommen werden. Darüber hinaus scheint die ritterliche und senatorische Schicht, zumindest in gewissen Zeitabschnitten, als Impulsgeber für die Grabrepräsentation der übrigen Gesellschaftsgruppen fungiert zu haben. Mit der Untersuchung werden nun prinzipiell drei Ziele verfolgt. Die erste Zielsetzung beinhaltet eine möglichst vollständige und systematische Zusammenstellung aller von archäologischer Seite her dokumentierten Denkmäler, die für das Thema von Belangen sind. Hierzu zählen Grabbauten, die als Befund oder in Form von einzelnen Architekturteilen überliefert sind, Schmuckelemente der Grab-Innenausstattung, Sarkophage, Urnen, Grabporträts und Grabbeigaben.
Bis jetzt unpublizierte oder nur oberflächlich behandelte Denkmäler werden in diesem Zusammenhang erstmals ausführlicher, in einem adäquaten Maße bekannt gemacht. Das zweite Ziel umfasst eine Analyse des im Katalog gesammelten Materials. Dabei wird sich zeigen, wie weit eine verbindliche Art der Repräsentation am Grab dieser beiden, eigentlich heterogenen und in sich hierarchisch gegliederten Bevölkerungsgruppen bestand, worin ihre Aussage beruhte, wie sich eine solche im konkreten Fall artikulierte und welche Bestandteile des Grabes hierfür als Träger der Aussage genutzt wurden. Als drittes Ziel wird schließlich ein Gesamtbild der Entwicklung der ritterlichen-senatorischen Grabrepräsentation für den fokussierten Zeitabschnitt erarbeitet, um jenes dann in Kontext des gesamten römisch-sepulkralen Bereichs zu stellen. Auf diese Weise dürfte sich Klarheit zu einzelnen, nach wie vor kontrovers diskutierten Fragen gewinnen lassen. Zu diesen gehört beispielsweise, welche Innovationen der sepulkralen Selbstdarstellung in welcher Entwicklungsstufe durch die Elite eingebracht wurden und aus welchem Hintergrund heraus dies geschah. Ebenso dürfte diese Betrachtung bis zu einem gewissen Grad die Fragestellung klären, inwiefern das Phänomen der Grabrepräsentation durch die Elite initiiert wurde oder nicht.

Abb. 1: Rom, Via Salaria, Grab des M. Lucilius Paetus. Ende 1. Jh. v. Chr.
Abb. 2: Rom, Via Ostiensis, Grab des C. Cestius. 20 –11 v. Chr.
Abb. 3: Ostia, Via Ostiensis – Grab des C. Domitius Fabius Hermogenes. Frühseverisch.

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Agnes Thomas
'Die Darstellungen von Sklaven und Sklavinnen in der griechischen Bildkunst klassischer und hellenistischer Zeit'
  1. Betreuer:Prof. Dr. Henner v. Hesberg (Köln/Berlin)
  2. Förderung: Universität Trier/Land Rheinland-Pfalz, Onassis-Stiftung
  3. Kontakt: Agnes Thomas, agnes.thomas@uni-koeln.de

Die Sklaverei war in der griechischen Antike ein allgegenwärtiges Phänomen. Sowohl die Poleis der klassischen Zeit als auch die hellenistische Lebens- und Wirtschaftsorganisation können als Sklavenhaltergesellschaft bezeichnet werden. Die entsprechende schriftliche Überlieferung ist seit längerer Zeit Gegenstand der historischen Forschung.
Im Gegensatz dazu ist die archäologische Überlieferung bis auf wenige Ausnahmen bisher kaum untersucht worden. Dementsprechend sind die Vorstellungen von der Sklaverei in der archäologischen Forschung oft ungenau. Ein Grund dafür ist die schwierige Quellenlage. Denn außer indirekten Zeugnissen wie den bildlichen Darstellungen existiert so gut wie keine archäologische Überlieferung zur griechischen Sklaverei. Darüber hinaus werden die häufig harmonisierenden Bilder der Grabreliefs des 5. und 4. Jahrhunderts v. Chr. immer noch in Folge der humanistischen Verklärung der griechischen Klassik teilweise bis in die jüngere Forschung als Beleg dafür gewertet, dass etwa die Sklavenbesitzer im klassischen Athen den Unfreien gegenüber ein besonders humanes Verhalten an den Tag legten und Standes­schranken gerade im häuslichen Bereich oft kaum mehr eine Rolle spielten (Abb. 1). Das Dissertationsvorhaben hat deshalb zum Ziel, die Bildquellen noch einmal genauer in den Blick zu nehmen, um Deutungen, wie sie oben skizziert wurden, zu überprüfen und zu korrigieren.
Die Untersuchung umfasst die ikonographische Analyse bildlicher Sklavendarstellungen aus mehreren Regionen Griechenlands der klassischen und hellenistischen Zeit anhand zweier wichtiger Gattungen, der Grabreliefs und der Terrakotten, wobei auf Figuren und Masken aus dem Bereich der Komödie besonders eingegangen wird (Abb. 1–2). Um die ikonographische Tradition herauszuarbeiten, erfolgt zudem ein Vergleich mit Vasenbildern und Kopfgefäßen seit dem Ende des 6. Jahrhunderts v. Chr., die zugleich die ältesten Beispiele innerhalb der Darstellungen von Unfreien aufweisen (Abb. 3–4). Dieser Ansatz wurde gewählt, um die unterschiedlichen, teilweise fast gegensätzlichen Darstellungsweisen, die sich je nach Gattung herausbilden konnten, deutlich zu machen und auf mögliche Deutungsansätze hin zu untersuchen. Die Auswahl des Materials bietet dabei einen sowohl zeitlich als auch örtlich umfassenden Überblick und ermöglicht dadurch auch, etwaige historische Entwicklungen nachzuzeichnen.
Bei den Bildern handelt es sich um Zeugnisse aus dem alltäglichen Leben der Menschen. Sie wurden fast ausnahmslos im Auftrag der freien Bürger einer Polis geschaffen und geben deshalb die Sicht der Freien auf die Sklaven wieder. Im Vergleich zur schriftlichen Überlieferung erscheinen die Aussagen von Bildern dabei häufig vereinfacht und plakativ. Sie vermitteln meist Inhalte, die von den zeitgenössischen Be­trachtern auch ohne Vorkenntnisse der konkreten Umstände, unter denen ein Bild entstanden ist, verstanden werden sollen. All­gemeine Verständlichkeit der Bilder aber ist dann gegeben, wenn die vermittelten Werte allgemein anerkannt oder zumindest bekannt sind. Dies wird durch die immer wiederkehrende Verwendung von Bildtypen oder -schemata noch verstärkt. Gerade deswegen stellen die Bilder eine Quellengattung dar, die Zeugnis von den Vorstellungen einer breiten Bevölkerungsschicht ablegt.
Zudem haben Bilder als Medium auch eine normierende Funktion für die Gesellschaft, wie Ansätze aus Kunstgeschichte und Philosophie zeigen. Da davon auszugehen ist, dass die Darstellungen somit auch die Bedingungen des unfreien Teils der Bevölkerung prägen, kann ihre Analyse zumindest teilweise Aufschluss über die sozialen Realitäten der Sklaven geben. In der Arbeit soll auf dieser Grundlage Fragen nach dem Ausmaß, der Legitimation sowie der Erscheinungsform der Sklaverei, etwa der sozialen Stellung von Unfreien, ihrem Ansehen in der Gesellschaft, Abläufen im Leben der Sklaven oder ihrem Verhältnis zu den Sklavenbesitzern nachgegangen werden.

Abb. 1: Attisches Grabrelief, Athen NM Inv. 870, Ende 4. Jh. v. Chr. (Detail)
Abb. 2: Terrakottamaske eines Sklaven der mittleren Komödie, Amphipolis Archäologisches Museum Inv. 1414, 4. Jh. v. Chr.
Abb. 3: Kopfgefäß mit negroider Kennzeichnung, Polygyros Archäologisches Museum
Abb. 4: Zweiseitiges Kopfgefäß, die eine Seite als Männergesicht mit negroider Kennzeichnung, Polygyros Archäologisches Museum, ca. 480-470 v. Chr. (Detail)

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