Forschungsprojekte von Prof. Dr. Thomas Fischer



Zur Landnutzung im Umfeld eines römischen „Industriereviers“ – Interdisziplinäre Studien im Umfeld des antiken Steinbruchgebietes und Töpferzentrums bei Mayen (Landkreis Mayen-Koblenz)

In dem Gebiet zwischen Andernach am Rhein und Mayen am Rande der Eifel bestand eines der großen Abbaureviere für mineralische Rohstoffe im Nordwesten des Römischen Reiches: Mühlsteine aus Basaltlava und Bausteine aus Tuff waren Jahrhunderte lang regelrechte Exportschlager, die ihre Abnehmer in der Schweiz ebenso wie in England und Skandinavien fanden. Aktuelle Forschungen zu den Mühlsteinbrüchen bei Mayen belegen eine kontinuierliche Nutzung über die Latènezeit bis in die römische Kaiserzeit. Untersuchungen zu den Tuffbergwerken in der nahe gelegenen Pellenz haben gezeigt, dass die systematische Erschließung dieser Lagerstätten im Rahmen staatlich gelenkter Maßnahmen unter Kaiser Augustus erfolgte.
All diese Aktivitäten dürften mit einem wesentlichen Zuzug von Personen verbunden gewesen sein. Nicht nur die Steinbrüche und Töpfereien boten Arbeitsplätze. Weiterverarbeitende sowie zuliefernde Betriebe, Aufbau und Instandhaltung einer umfassenden Infrastruktur ebenso wie Handel und Verkehr benötigten eine große Zahl von Arbeitern und Spezialisten. Auch ist mit einer deutlich gestiegenen Anzahl von Nutz- bzw. Arbeitstieren zu rechnen. Diese Entwicklung wurde ab der Spätantike durch einen weiteren wichtigen Wirtschaftszweig nochmals gefördert: Die Massenproduktion von Gebrauchskeramik in den Töpferbezirken von Mayen.
Abb. 1: Römische Fundstellen im Segbachtal<br />
Mayen.
Abb. 1: Römische Fundstellen im Segbachtal ©GeoBasis-DE/LVermGeoRP2010-11-08; Plan Benjamin Streubel

Die intensive Nutzung der mineralischen Rohstoffe muss erhebliche Auswirkungen auf die römische Landnutzung gehabt haben. Dies führt zu den zentralen Fragen des Projektes: Wie konnte die regionale Land- und Forstwirtschaft den wirtschaftlichen Boom tragen und welche Auswirkungen hatte dies auf die Umwelt?
Für die Klärung dieser Fragen wurde das Segbachtal bei Mayen ausgesucht. Es zeichnet sich durch zahlreiche römische Fundstellen (Abb. 1) ebenso aus wie durch seine Nähe zu den bedeutenden römischen Mühlsteinbrüchen. Darüber hinaus ist das noch heute vorwiegend landwirtschaftlich genutzte Tal vom modernen Bimsabbau verschont geblieben und nur noch hier sind siedlungsarchäologische Studien im größeren Stil möglich.

Abb. 2: Mendig, „Im Winkel“, Überblicksplan mit geophysikalisch untersuchten Flächen
Abb. 2: Mendig, „Im Winkel“, Überblicksplan mit geophysikalisch untersuchten Flächen

Ausgehend von Ausgrabungen in zwei ausgewählten Siedlungskomplexen („Im Winkel“ und „Lungenkärchen“) und von einer gründlichen Aufnahme ihrer Umgebung soll die Landschaftsgeschichte sowie die Verflechtung zwischen den einzelnen Wirtschaftszweigen und der Siedlungsentwicklung durch interdisziplinäre Arbeiten untersucht werden.
Die römische Siedlungsstelle „Im Winkel" (Abb. 2) zeichnet sich durch einen auf einem Hügel stehenden burgus aus, der mitsamt dem darin gelagerten Getreide im 5. Jahrhundert n. Chr. niederbrannte. Funde zahlreicher Mühlsteinrohlinge in dem nahe gelegenen Bach, der das Gelände einer villa rustica durchschneidet, lassen darauf schließen, dass deren Bewohner im Mühlsteingewerbe tätig waren.

Abb. 3: Mendig, „Im Winkel“, Grabungsarbeiten im Bereich des Hauptgebäudes
Abb. 3: Mendig, „Im Winkel“, Grabungsarbeiten im Bereich des Hauptgebäudes

Im Rahmen des laufenden Projektes wurden mit Hilfe von Georadar das Hauptgebäude der villa, ein Nebengebäude sowie Drainageanlagen geortet. Grabungsschnitte im Hauptgebäude (Abb. 3) und im burgus sollen die Bauzeit und den Zeitpunkt der Aufgabe dieser Gebäude klären. Ferner werden antike Ackerfluren untersucht, die sich in einem südlich der Siedlungsstelle gelegenen Waldstück erhalten haben. In einem Bachbett angetroffene Terrakotten deuten auf ein zur Villa gehöriges Heiligtum hin (Abb. 8).

Abb. 4: Mendig, „Lungenkärchen“, Georadarplan der villa rustica
Abb. 4: Mendig, „Lungenkärchen“, Georadarplan der villa rustica

Die seit langem als römische Trümmerstelle bekannte, doch erst durch geophysikalische Untersuchungen überraschenderweise als Axialanlage identifizierte villa rustica von Mendig, „Lungenkärchen“ (Abb. 4), gehört in ihrer Gesamtkonzeption und ihrer Ausstattung zu den reichsten römischen Gutshöfen Deutschlands.

Abb. 5: Mendig, „Lungenkärchen“, Nebengebäude 3 mit Blick auf Mendig
Abb. 5: Mendig, „Lungenkärchen“, Nebengebäude 3 mit Blick auf Mendig
Abb. 6: Mendig, „Lungenkärchen“, Rand des Wasserbeckens
Abb. 6: Mendig, „Lungenkärchen“, Rand des Wasserbeckens

Das über 70 Meter lange Hauptgebäude wird von zwei Reihen mit mindestens jeweils drei Nebengebäuden (Abb. 5) umgeben. Mit einem fast 40 Meter langen Zierbecken (Abb. 6) vor dem Haupthaus wies die Anlage einen hoch repräsentativen Charakter auf, der auch durch in der Beckenverfüllung gefundene Architekturfragmente belegt wird (Abb. 7).

Abb. 7: Mendig, „Lungenkärchen“, Gesimsfragment aus Kalkstein
Abb. 7: Mendig, „Lungenkärchen“, Gesimsfragment aus Kalkstein

Zusammenhänge zu den Basaltsteinbrüchen lassen sich bisher durch Fragmente von Mühlsteinrohlingen annehmen, die möglicherweise als Ausschussware in den Fundamenten eines Nebengebäudes verwendet wurden. Zusammen mit anderen, schon länger bekannten Großvillen in der direkten Nachbarschaft zeichnet sich nun eine ganz ungewöhnliche Massierung repräsentativer Landsitze der Römerzeit in der Region von Mayen ab. Dies könnte man so sehen: Während im Mayener vicus die Steinbrucharbeiter lebten, deuten reiche Grabdenkmäler und Villen auf eine Ansässigkeit der Steinbruchbesitzer im untersuchten Umland Mayens.
Im Rahmen der Grabungen und darüber hinaus finden umfangreiche bodenkundliche Untersuchungen statt.

Abb. 8: Mendig, „Im Winkel“, Terrakotten der Kybele und der Matronen aus Kölner und Trierer Werkstätten. Hinweis auf ein Heiligtum im Bereich der Villa
Abb. 8: Mendig, „Im Winkel“, Terrakotten der Kybele und der Matronen aus Kölner und Trierer Werkstätten. Hinweis auf ein Heiligtum im Bereich der Villa

Das Projekt ist eine Kooperation des Archäologischen Instituts, Archäologie der Römischen Provinzen der Universität zu Köln (Prof. Dr. Thomas Fischer), der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz, Direktion Landesarchäologie Koblenz (Dr. Dr. Axel von Berg) sowie des Forschungsbereichs Vulkanologie, Archäologie und Technikgeschichte des Römisch-Germanischen Zentralmuseums (RGZM) in Mainz und Mayen (Dr. Holger Schaaff). Letztere Institutionen unterstützen die Arbeiten mit Eigenmitteln. Gleichzeitig ist es als ein wichtiger Bestandteil in den Forschungsschwerpunkt „Entstehung einer Industrielandschaft – Das antike Steinbruch- und Bergwerksrevier zwischen Eifel und Rhein“ am RGZM eingebunden.
Unterstützt werden die Forschungen vonseiten der Geophysik durch die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik, Abt. Geophysik Wien (Dr. Sirri Seren), im Bereich der Bodenkunde vom Geographischen Institut der Johannes Gutenberg Universität Mainz (Dr. Markus Dotterweich) und auf dem Gebiet der Visualisierung vom i3mainz – Institut für Raumbezogene Informations- und Messtechnik, i3mainz der Fachhochschule Mainz (M.Eng. Guido Heinz). Außerdem konnten die Labore für Archäobotanik (Dr. Jutta Meurers-Balke und Dr. Ursula Tegtmeier) und Dendrochronologie (Dr. Burkhard Schmidt) des Instituts für Ur- und Frühgeschichte der Universität zu Köln für eine Zusammenarbeit gewonnen werden. Die örtliche Grabungsleitung und wissenschaftliche Auswertung liegen in Händen von Dr. Martin Grünewald und Dr. Stefan Wenzel, die Grabungen konnten z. T. als Lehrgrabung für Fachstudenten durchgeführt werden. Zwei siedlungsarchäologische Kölner Dissertationen zum Arbeitsgebiet und zur benachbarten Pellenz von Victoria Baur M. A. und Ricarda Giljohann M. A. , die von Stipendien des RGZM gefördert werden, flankieren das Projekt in sinnvoller Weise.
Die Realisierung des Forschungsprojekts „Zur Landnutzung im Umfeld eines römischen „Industriereviers“ - Interdisziplinäre Studien im Umfeld des antiken Steinbruchgebietes und Töpferzentrums bei Mayen (Landkreis Mayen-Koblenz)“ wird einer namhaften Sachbeihilfe Deutsche Forschungsgemeinschaft verdankt.

Köln, d. 14. 10 2010
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Prof. Dr. Thomas Fischer



Forschungen im Südvicus von Straubing

Ausgrabungen haben in Straubing eine lange Tradition: Seit Straubings Identifizierung als Sorviodurum, einem auf der tabula Peutingeriana verzeichneter Militärstützpunkt, wurden zahlreiche Grabungen zur Lokalisierung des Lagers durchgeführt. Wegen vielfältiger Funde seit dem 16. Jahrhundert konzentrierten sich die Untersuchungen auf das sog. Ostenfelde, östlich der heutigen Stadt. Mit Gründung des Historischen Vereins für Straubing und Umgebung 1898 wurden die Ausgrabungen systematisiert. Hierbei entdeckte Johannes Mondschein, zeitweise Vorstand des Historischen Vereins, 1899 einen Apsidialbau, den er noch im gleichen Jahr im zweiten Jahrbuch des Historischen Vereins Straubing veröffentlichte. 1909 schließlich gelang auch die Entdeckung eines Kastells.
Mit dem Anwachsen der Stadt auch nach Osten erfolgte eine kontinuierliche Erforschung gefährdeter archäologischer Denkmäler durch die Stadtarchäologie im Gäubodenmuseum Straubing. So wurde eine gute Forschungssituation der römischen Kastelle und der zugehörigen Vici und Gräberfelder erreicht. Um in der Öffentlichkeit Akzeptanz für die unter Denkmalschutz gestellten Flächen zu sichern, wurde der „Römerpark“ initiiert: Ein archäologischer Park, in dem ergrabene römische Bauten oberirdisch gekennzeichnet und teilrekonstruiert werden. Ergänzend werden Abgüsse antiker Reliefs und Skulpturen aufgestellt und durch eine Beschilderung erschlossen. In diesen Park sollte auch der 1899 ergrabene Apsidialbau integriert werden, denn so können Ausgrabungen zugleich auch die Erhaltung noch unangetasteter archäologischer Substanz garantieren.
Durch geophysikalische Untersuchungen im Umfeld des Kastells wurde 2007 der Apsisbau wieder lokalisiert und seit 2008 im Rahmen einer Lehrgrabung des Archäologischen Instituts der Universität zu Köln freigelegt. Zusätzlich wurde eine Fläche nördlich des Gebäudes angelegt, um eine eventuelle Einbindung des Raumes in einen größeren Gebäudekomplex zu überprüfen.
Bautyp und Ausstattung des Raumes mit Wand- und Fußbodenheizung sprechen für eine Interpretation als caldarium einer Therme; der Größe nach passt ein solcher Raum in ein Bad einer Villa oder eines Kastells. Aber die fehlende Heizung unter der Apsis und die nur in Strängen und nicht flächig angelegte Wandheizung sowie eine bislang nicht nachweisbare Einbindung in ein Steingebäude lassen es aber auch möglich erschienen, hier einen Wohnraum einer gehobenen Stadtvilla zu sehen.
Kooperationspartner: Gäubodenmuseum Straubing
Leitung: Thomas Fischer und Constanze Höpken
Förderung: Universität zu Köln, Stadt Straubing, Historischer Verein Straubing, Lions Club Straubing, Gesellschaft für Archäologie in Bayern, Gehörloseninstitut des Bezirks Niederbayern in Straubing

Das spätrömische Kastell Haus Bürgel (Stadt Monheim, Kr. Mettmann)

Zwischen Köln und Düsseldorf liegt rechtsrheinisch im Bereich der Stadt Monheim der Gutshof Haus Bürgel. Der geschlossene Viereckhof befindet sich im Zentrum einer ehemaligen Rheinschlinge, die von Auewäldern, Wiesen und Ackern bedeckt ist und heute unter Naturschutz steht. Weite Teile des Mauerwerks des Hofes bestehen aus den bis zu 5 m hoch erhaltenen Resten der Wehrmauer eines römischen Kastells der Spätantike, also des 4. und 5. Jhs. n. Chr.

Haus Bürgerl
Haus Bürgel, Gutshof und spätrömisches Kastell

Das Kastell Haus Bürgel gehörte einst zu einer ganzen Kette von Festungen, mit denen die Römer versuchten, die Rheingrenze gegen die immer stärker angreifenden Franken zu verteidigen, bis dieser Germanenstamm schließlich um die Mitte des 5. Jhs. n. Chr. Rom in der Herrschaft über das Rheinland ablösen sollte. Die Nachbarfestungen in dieser römischen Kastellkette lagen in Dormagen und in Köln - Deutz. Daß das Haus Bürgel heute rechtsrheinisch, also auf der nach der damaligen Situation "feindlichen" Rheinseite liegt, besagt nichts über die ursprüngliche Situation zur Römerzeit: Erst im späten Mittelalter, wahrscheinlich im Jahre 1374, grub sich der Rhein durch ein katastrophales Hochwasser ein neues Bett zwischen Zons und dem Haus Bürgel, so daß dieses plötzlich linksrheinisch lag.

Das im Grundriß quadratische, ca. 64 x 64 m messende Kastell war trotz seiner in Deutschland einzigartig guten Erhaltung bisher kaum erforscht, da es stets als Gutshof genutzt wurde. Man wußte anhand des erhaltenen Mauerwerks nur, daß es vier runde Ecktürme, zwei Tore und acht runde Zwischentürme besaß, die Umwehrung also eine gewisse Ähnlichkeit mit den allerdings wesentlich größeren Constantinischen Festungen Köln - Deutz und Xanten aufwies. Wie das Innere des Kastells gestaltet war, welche Truppen die Besatzung bildeten, die Gründungszeit und das Ende der Anlage, dies alles war völlig unbekannt.

Vor einigen Jahren schien plötzlich das Haus Bürgel durch rigorose Umbaupläne in seinem Bestand gefährdet zu sein. Glücklicherweise kam es aber nicht zu einer solchen Zerstörung dieses in Deutschland einzigartigen römischen Bauwerks: Es konnte vielmehr dank des Engagements der staatlichen Denkmalschützer, unterstützt von Naturschützern und engagierten Bürgern der Umgebung doch noch gerettet werden. Das Haus Bürgel ist inzwischen als bedeutendes archäologisches Denkmal in öffentlichen Besitz übergegangen, wobei die Stiftung Naturschutz, Heimat- und Kulturpflege Nordrhein-Westfalen das dazu nötige Geld bereitstellte. Es wird nun etappenweise renoviert und soll ein archäologisches Museum aufnehmen, eine biologische Station, die das umgebende Naturschutzgebiet betreut, ist 1995 schon eingezogen.

Um das Römerkastell zu erforschen und um auch Material für das Museum zu gewinnen, fanden von 1994 bis 1996 Ausgrabungen der Abteilung Archäologie der römischen Provinzen beim Archäologischen Institut der Universität zu Köln statt. Die Mittel für Grabungen und Auswertung stellte das Ministerium für Stadtentwicklung, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen zur Verfügung. Dieses Unternehmen ermöglichte auf hervorragende Weise eine Forschungsgrabung mit einer Lehrgrabung zur Ausbildung der Archäologiestudenten zu verbinden. Ferner bildete es auch einen Teil der engen Kooperation des Archäologischen Institutes der Universität zu Köln mit dem Archäologischen Institut der Universität Warschau, dessen Leiter Prof. Dr. Thomas Mikocki mit mehreren Mitarbeitern und Studenten an den Grabungskampagnen teilnahm. In minutiöser Handarbeit wurde von den bis zu 20 Mitarbeitern aus Polen und Deutschland all das freigelegt, was die bewegten Zeiten der römischen Herrschaft am Rhein im Boden hinterlassen haben: Gräber, Mauern, Fußböden, Abfallgruben und Brandschichten mit Ton- und Glasscherben, Münzen, Schmuck, Waffenteilen, Werkzeugen und Tierknochen. Auch zwei tiefe Wehrgräben, die sich außen als zusätzliche Annäherungshindernisse um das Kastell zogen (Abb. 1) konnten festgestellt werden. Aus all dem wird jetzt bei der Auswertung die Geschichte der Festung und ihrer Bewohner rekonstruiert werden.
Die Grabungen konnten bisher u. a. die gut erhaltene Fundamente zweier Türme in der Südwest- und Südostecke und Teile der über 2 m starken Wehrmauer freilegen. Im Süden des Hofes fand sich innen an die Wehrmauer angebaut das Kastellbad.
Dieses Bad mit Warm - und Kaltwasserbecken, Umkleide- und Ruheräumen war mit Fußbodenheizung, Glasfenstern und Wandmalereien ausgestattet. Um die Wende vom 4. zum 5. Jh. n. Chr. wurde es umgebaut und, wie offene Herdstellen zeigen, als Wohnhaus benutzt. Anhand von charakteristischen Funden, wie Trachtbestandteilen, Kämmen und Frauenschmuck germanischer Art, kann man die Bewohner identifizieren: Es waren Germanen aus dem rechtsrheinischen Gebiet des heutigen Westfalen und Niedersachsen sowie aus Böhmen, die hier mit Frauen und Kindern im Kastell wohnten und in römischem Auftrag die Festung verteidigten. Irgendwann im frühen 5. Jh. n. Chr. wurde das Kastell erobert und niedergebrannt. Den Bewohnern blieb gerade noch Zeit, ihr Bargeld zu vergraben (ein Münzschatz mit ca. 200 spätrömischen Bronzemünzen fand sich bei den Grabungen 1995). Sie kamen aber nicht mehr dazu, ihr verstecktes Vermögen wieder zu bergen. Eine kontinuierliche Nutzung der Anlage von der Mitte des 5. Jhs. bis zum 8. Jh. scheint es nicht gegeben zu haben: Nachdem das Kastell Haus Bürgel längere Zeit als gut erhaltene Ruine verlassen dagestanden war, baute man es im Mittelalter als Burg und dann später in den heute noch stehenden Gutshof um, dem man seine kriegerische Vergangenheit längst nicht mehr ansieht. In den nächsten Jahren wird neben der wissenschaftlichen Auswertung der Grabungen auch die Einrichtung des Museums zu den Aufgaben der Abteilung Archäologie der römischen Provinzen beim Archäologischen Institut der Universität zu Köln gehören.

Literatur:
Gechter, M., Archäologie im Rheinland 1993 (Köln 1994) 94 ff.
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