Birte Ruhardt M.A.

RuhardtEmail: b.ruhardt(at)gmx.de

Lebenslauf
Studienbegleitende Tätigkeiten
Dissertationssprojekt



Lebenslauf

  1. geboren 1985
  2. 2005 - 2011 Studium der Klassischen Archäologie, Archäologie der Römischen Provinzen und Kunstgeschichte an der Universität zu Köln
  3. 2008 Erasmus-Stipendium an der La Sapienza in Rom
  4. 2010 Forschungsaufenthalt am Museo Nazionale Archeologico di Taranto
  5. WiSe 2010/11 Magisterabschluss in Köln zum Thema: „Die Nekropole von Tarent. Untersuchungen zu den hellenistischen Kammergräbern“
  6. seit SoSe 2011 Arbeit an der Dissertation zum Thema:
    „Grabarchitektur im hellenistischen Apulien. Untersuchungen zu den apulischen Monumental- und Kammergräbern vom 4. bis zum 1. Jahrhundert v. Chr.
  7. 2011 Halbjähriger Forschungsaufenthalt am Museo Nazionale Archeologico di Taranto
  8. seit 10/2011 Stipendiatin der a.r.t.e.s. Forschungsschule an der Universität zu Köln
  9. 2/2012-1/2013 Forschungsstipendium des DAAD in Italien
  10. 2012 Verleihung des 'Premio Attilio Stazio' von der Fondazione Taranto e la Magna Grecia

Studienbegleitende Tätigkeiten

  1. 2002 und 2004 Praktika beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe am Archäologischen Museum in Münster und in Herne
  2. 5/2006-4/2007 Grabungshelferin bei der Grabungsfirma Artemus GmbH Köln – Grabungen beim U-Bahnbau in Köln
  3. 5/2007-1/2008 Studentische Hilfskraft am Archäologischen Institut der Universität zu Köln (Betreuung Bibliothek und Diathek)
  4. 4/2008-7/2008 Studentische Hilfskraft und Praktikantin in der Fotothek des Deutschen Archäologischen Instituts in Rom
  5. 8/2008-2/2011 Studentische Hilfskraft am Archäologischen Institut der Universität zu Köln (Betreuung Bibliothek und Diathek)
  6. 2009 Ausgrabungen mit der Università degli Studi di Bari Aldo Moro in Egnazia
  7. Mitglied der Arbeitsgruppe „Italiker und Etrusker“ des Deutschen Archäologen-Verbands e.V
  8. Mitglied im Team der A.R.T.e.s. Galerie „Kunst und Wissenschaft im Dialog"

Dissertationsprojekt

Grabarchitektur im hellenistischen Apulien. Untersuchungen zu den apulischen Monumental- und Kammergräbern vom 4. bis zum 1. Jhd v.Chr.

  1. Betreuer: Prof. Dr. Michael Heinzelmann
  2. Förderung: a.r.t.e.s. Graduiertenschule Köln, DAAD

Zusammenfassung
Die apulischen Monumental- und Kammergräber in hellenistischer Zeit stellen ein bedeutendes Zeugnis aufwendiger Baukunst im sepulkralen Kontext dar. Die Ergebnisse meiner Magisterarbeit zum Thema „Die Nekropole von Tarent. Untersuchungen zu den hellenistischen Kammergräbern“ sollen die Grundlage des Dissertationsprojektes darstellen, da vor allem von Tarent aus Impulse auf die Entwicklung der frühhellenistischen kulturellen Blütezeit der Magna Graecia (Großgriechenland) ausgingen. Mit der Entwicklung zum inneren Ausgleich im letzten Drittel des 4. Jahrhunderts v. Chr. konnte sich in Tarent eine breite gesellschaftliche Schicht etablieren, die von der politischen und wirtschaftlichen Situation profitierte und dies auch im Grabwesen durch die Errichtung architektonisch aufwendiger Kammergräber mit reichen Grabbeigaben ausdrückte. Ziel der Dissertation ist es, die gesamten Tarentiner Kammergräber in einem Katalog zusammenzustellen und auszuwerten, um anschließend die Unterschiede zu den südapulisch-messapischen und den stärker makedonisierenden und monumentaleren nordapulisch-daunischen Grabkammern in einem Vergleich aufzeigen zu können. Einen wesentlichen Aspekt des Dissertationsvorhabens stellt die Untersuchung der verschiedenen Akkulturations- und Transkulturationsprozesse am Beispiel der apulischen Kammergräber dar. Zu untersuchen wäre dabei, in wie weit Expansionsbewegungen ostitalischer Volksgruppen, fremdstämmige Einflüsse, wie z. B. aus Makedonien, Epirus oder Alexandria oder die voranschreitende Romanisierung Einfluss auf die architektonische Konzeption der hellenistischen Kammergräber genommen haben und in wie weit der Einfluss von Tarent auf benachbarte Nekropolen in Daunien, Peuketien und Messapien und darüber hinaus ausging. Im Zentrum des Interesses steht dabei vor allem die Rezeption von Gestaltungsmotiven. Daher sollen die Architektur, die Innenausstattung und die Grabbeigaben der hellenistischen Kammergräber als materielle Zeugnisse von Akkulturationsprozessen betrachtet und entsprechend ausgewertet werden. Ferner sollen die Studien zum vorrömischen Italien, die in der archäologischen Forschung des deutschsprachigen Raumes deutlich unterrepräsentiert sind, durch das vorliegende Dissertationsprojekt explizit gefördert werden.

Eigene Vorarbeiten zur Nekropole von Tarent im Rahmen der Magisterarbeit
Angesichts der unbefriedigenden Publikationslage sowie der weitgehenden Zerstörung der Tarentiner Nekropole und der hellenistischen Kammergräber war eine eigenständige Erarbeitung der Grabungsdaten und -informationen aus den Archivmaterialien der „Soprintendenza per i Beni Archeologici della Puglia“ und des „Museo Nazionale Archeologico di Taranto“, insbesondere der Grabungs- und Inventarbücher und der Zeichnungen aus dem „Archivio Grafico“, erforderlich.
Die gesammelten Informationen aus den Grabungs- und Inventarbüchern wurden anschließend in einem detaillierten Katalog zu den insgesamt 181 untersuchten hellenistischen Kammergräbern zusammengefasst. Der Katalog umfasst für jede einzelne Grabkammer eine ausführliche Beschreibung, Angaben zum Grabinventar, zur Datierung, zu den Maßen, zum genauen Fundort sowie Literaturnachweise. Damit bilden die in der Magisterarbeit untersuchten hellenistischen Kammergräber die bisher größte ausgewertete Gruppe von unteritalischen Grabkammern.
Im Allgemeinen stellen sie in diesem Kontext Grabgebäude der breiten sozialen Oberschicht dar, was sich nicht nur an den reichen Grabbeigaben, sondern auch an der aufwendigen Architektur und Innenausstattung zeigt. Sie sind ein Beispiel für die seit dem letzten Drittel des 4. Jahrhunderts v. Chr. einsetzende Monumentalisierung der Grabarchitektur in weiten Teilen Unteritaliens. Bisher konnte dabei in keiner anderen unteritalischen Nekropole eine derartige Konzentration von Kammergräbern ausgemacht werden. Der architektonische Aufbau der Grabkammern orientierte sich teilweise an zeitgenössischer Wohnhausarchitektur und Innenausstattung, wie an den Dachkonstruktionen und Klinen zu sehen ist. Die Errichtung und die Ausstattung der Grabkammern waren dabei eng mit der topografischen Gesamtentwicklung der Nekropole und den sozialpolitischen Entwicklungen in Tarent verknüpft. In ihrer architektonischen Konzeption bilden die hellenistischen Kammergräber ein weitgehend homogenes Bild von meist Einkammergräbern, doch können darin unterschiedliche architektonische oder ausstattungsbedingte Kriterien immer wieder neu miteinander kombiniert werden.
Ferner konnte in der Magisterarbeit gezeigt werden, dass es neben der Monumentalisierung zu einer Blüte der Grabmalerei und zu einem Wandel in den Bestattungssitten kam. Der Aufschwung im Grabwesen zeigt sich zudem in der um die Mitte des 4. Jahrhunderts v. Chr. einsetzenden Anfertigung von zahlreichen Grabmonumenten, die überirdisch auf die Kammergräber gesetzt wurden, sog. „Naiskoi“. Die Betonung von Einzelpersönlichkeiten und Gentilizverbänden drückte sich neben der architektonischen Anlage teilweise zudem durch die Lage der Gräber und reiche Beigaben aus.

Forschungsvorhaben und Ziele
Die in der Magisterarbeit herausgearbeiteten architektonischen, topografischen und sozialhistorischen Untersuchungen zu den hellenistischen Kammergräbern stellen jedoch nur einen kleinen Ausschnitt der gesamten Entwicklungsgeschichte Tarents und der Magna Graecia dar. Daher soll eine vergleichende Untersuchung der gesamten apulischen Kammergräber in das Dissertationsprojekt mit einbezogen werden, um so Parallelen und Unterschiede in der architektonischen Entwicklung und verschiedenene Akkulturations- und Transkulturationsprozesse am Beispiel der apulischen Kammergräber feststellen zu können.
Der chronologische Schwerpunkt vom 4. bis zum 1. Jh. v. Chr. soll wie bei der Magisterarbeit beibehalten werden, da vor allem in der frühhellenistischen Periode, einer Zeit allgemein großen Wandels und ausgeprägter Monumentalisierungstendenzen in der Architektur, zahlreiche Kammergräber in Apulien entstanden. Doch sollen auch die nur wenigen Beispiele aus archaischer und klassischer Zeit, vor allem die sog. Tarentiner „Athletengräber“, berücksichtigt werden, um die Zäsur im Bestattungswesen eindringlicher aufzeigen zu können.
Bei der Verteilung der Kammergräber in Apulien lassen sich unterschiedliche Schwerpunkte ausmachen: So besitzt Tarent mit Abstand die meisten Beispiele, in Daunien liegt der Schwerpunkt in Canosa und Arpi, in Peuketien in Gravina und in Messapien in Egnazia und Rudiae. Nur durch eine systematische Untersuchung und Auswertung der Grabarchitektur, der Innenausstattung und der Grabbeigaben können dabei Unterschiede und Gemeinsamkeiten in der Grabarchitektur, im Bestattungswesen und im Beigabenritual festgestellt werden. Dies soll durch eine typologische Einteilung der apulischen Kammergräber verdeutlicht werden. Eine Fortführung der in den 90er Jahren entwickelten Datenbank „TARAPLAN“ oder der von Herrn Dr. Hoffmann entwickelten Dyabola-Datenbank würde vermutlich zu einer schnelleren und erleichterten Bearbeitung der Tarentiner Grabbeigaben verhelfen. In Zusammenarbeit mit Herrn Dr. Graepler, Herrn Dr. Hempel und Herrn Dr. Hoffmann soll daher das „Tarent-Projekt“ wieder neu aufgenommen werden. Durch die Bearbeitung des gesamten Beigabenmaterials ließen sich vermutlich die noch offen stehenden Fragen zu den soziologischen Faktoren sowie zur Datierung und damit auch zur topografischen Entfaltung der Grabkammern genauer beantworten:
Durch die konkrete topografische Einordnung in das Gesamtbild der Nekropole ließen sich das Verhältnis der Grabkammern zueinander, ihre Orientierung zu den Straßenverläufen und ihre Relation zu den Wohnvierteln genauer klären. Ein gattungsübergreifender Vergleich der architektonischen Anlage der Grabkammern mit der zeitgenössischen Wohnhausarchitektur, sofern diese noch verifizierbar ist, wäre vermutlich lohnenswert, da zahlreiche Elemente der Grabarchitektur, wie Balken- und Kassettendecke, Türen und Scheintüren, Klinen und Tische aus dem Bereich der Hausarchitektur übernommen worden sind. In diesem Zusammenhang könnte untersucht werden, ob das Kammergrab im hellenistischen Apulien als „Wohnhaus“ des Verstorbenen aufgefasst wurde, wie es für Anatolien oder Südetrurien nachgewiesen werden konnte. Grundlegend ist in diesem Kontext die Frage nach der Herkunft des Kammergrabtypus’.

Abbildungen
Abb. 1: E. Lippolis – A. Dell’Aglio, La pittura funeraria a Taranto,
ArchCl 54, 2003, 119 Abb. 11.
Abb. 2: Ipogeo Genoviva, aus: E. Lippolis (Hrsg.), Taranto, la necropoli: Aspetti e problemi della documentazione archeologica tra VII e I sec. a. C. Catalogo del Museo di Taranto III, 1 (Tarent 1994) 48 Taf. III.
Abb. 3: Die indigene Bevölkerung in Unteritalien und Sizilien, © DAI Rom.