Forschungsarchiv für Antike Plastik

Arbeitsbereiche

Das Forschungsarchiv für Antike Plastik verfolgt seit seiner Einrichtung (1964) das Ziel, antike Skulpturen zu erfassen, zu dokumentieren und zu publizieren, um sie für weitere Forschungen zugänglich zu machen. Ausgangspunkt seiner Aktivitäten war die auch heute noch gültige Erkenntnis, daß nur ein kleiner Teil antiker Statuen, Büsten und Reliefs in einer Weise dokumentiert und publiziert worden ist, die den Ansprüchen der Forschung entspricht.


Systematische Arbeitsbereiche:

1. Arachne:
Sowohl zur retrospektiven Aufbereitung der früheren Aktivitäten wie auch als Basis für neue Projekte dient die Datenbank Arachne. Sie wird seit 2001 in enger Abstimmung mit dem Beazley Archive in Oxford und seit 2005 als Gemeinschaftsprojekt mit dem Deutschen Archäologischen Institut weiterentwickelt und datenseitig zur verteilten Aufarbeitung der Fotoarchive der Auslandsinstitute verwendet. Zur langfristigen Erreichung dieses werden dedizierte Projekte, aber auch angepasste interne Prozesse verwendet. Das Forschungsarchiv bringt die größte spezialisierte Fotosammlung zur Dokumentation antiker Skulptur ein (ca. 130.000 Aufnahmen, davon ca. 50.000 nach eigenen Negativen), das Deutsche Archäologische Institut besitzt Fotoarchive mit ca. zehnfachem Umfang.

2. Durchführung von Photokampagnen zur Erschließung von Sammlungen.
Von Anfang an wurden in zahlreichen Museen eigene Aufnahmekampagnen durchgeführt. Schwerpunkte dieser Arbeit waren Antiken in englischem Privatbesitz, die Skulpturen im Museo Gregoriano Profano des Vatikan, französische Museen sowie Antikensammlungen in Deutschland.

Das Forschungsarchiv beschäftigt spezialisierte Fach-Fotografen und versucht, jüngere Photographen an das vorhandene qualitative Niveau heranzuführen; es verfügt über ein eigenes Photolabor und eine spezialisierte Photoausrüstung. Ermöglicht wurden die Aufnahmekampagnen durch die großzügige Förderung der Gerda Henkel Stiftung, der Deutschen Forschungsgemeinschaft, des Ministeriums für Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen sowie der Universitätsstiftung.

3. Publikationen
Das Forschungsarchiv ist Herausgeber einer Monographien-Reihe (Monumenta Artis Romanae). Sie dient vor allem der Publikation von Sammlungskatalogen, in denen die Ergebnisse der Photokampagnen vorgelegt werden sollen. Verfasser sind neben Mitarbeitern des Kölner Archäologischen Instituts (Prof. Dr. D. Boschung, Prof. Dr. R. Förtsch, Prof. Dr. H. von Hesberg) auch Fachkollegen an auswärtigen Universitäten. Die Katalogarbeiten werden durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft, die Gerda Henkel Stiftung und die VGWort unterstützt. Momentaner Schwerpunkt ist die Aufarbeitung von jahrzehntealten Publikationsschulden zu den englischen Sammlungen und zum Museo Gregoriano Profano.

4. Kooperationen im technischen Bereich
Neben der wissenschaftlichen Bearbeitung der neu erschlossenen Denkmäler waren im Forschungsarchiv von jeher die fotografische Aufnahmetechnik der Objekte sowie die Aufbereitungsform der Abbildungen zentrale Anliegen. Aufnahmetechnisch konnte ein sehr hoher fotografisch-handwerklicher Standard entwickelt, an die Notwendigkeiten Faches angepaßt und über 4 Jahrzehnte erhalten werden. Im fotografischen Bereich war dies nicht zuletzt durch entsprechende Personalstellen gelungen. Stellenpläne öffentlicher Institutionen wie Universitäten und Schulen konnten auf die digitalen Umwälzungen der 90er Jahre aber in der Regel nicht hinreichend schnell reagieren. Es war daher klar, daß sich in der Bildverarbeitung wie in der Programmierung aus institutseigenen Ressourcen kein ähnlich hoher Standard würde erreichen lassen wie in der Fotografie. Neben den großen Chancen brachte die Digitalisierung also auch eine ernste Herausforderung für das Selbstverständnis des Forschungsarchivs mit sich, auf seinen Arbeitsgebieten einen hohen »state of the art« verwirklichen zu können. Die damals entstehende Gattung selbsternannter Experten bot hier auf Dauer ebensowenig nachhaltige Perspektiven wie die Abgabe zentraler Bereiche an externe Service-Provider.

a) Softwareprogrammierung
Seit der Etablierung der Historisch-Kulturwissenschaftlichen Informationsverarbeitung (HKI) entstand unter dem Lehrstuhlinhaber Prof. Dr. Manfred Thaller jedoch ein Reservoir an technisch wie anwendungsseitig kompetenten Studierenden dieses Faches, mit dem im Rahmen studentischer Hilfskraftstellen der Programmierungsbedarf des Forschungsarchivs abgearbeitet werden kann. Es kam dadurch zu einer erheblichen Qualitätssteigerung wie auch zum Aufbau einer konstanten Perspektive. In diesem Rahmen wird es im Jahre 2004 zur Inbetriebnahme einer seit Mai 2003 komplett neu konzipierten und programmierten Version von ARACHNE kommen, die offene Standards verwendet (Apache/PHP/MySQL).

Seit 2007 wird in einem gemeinsam finanzierten Stellenpool des Forschungsarchivs und des Deutschen Archäologischen Instituts kooperative Softwareentwicklung im Bereich Grabungssysteme und deren semantische Integration mit Arachne betrieben.

Hinzu kommen, gemeinsam mit dem DAI und dem Perseus Project, kooperative Vorstudien zur Implementierung des CIDOC-CRM in die jeweiligen Softwaresysteme zur Etablierung gegenseitiger maschinenlesbarer Kommunikationsfähigkeit.

b) Bildverarbeitung
Eine weitere neue Herausforderung stellte seit Mitte der 90er Jahre die technische Seite der elektronischen Bildverarbeitung dar, da wir hier zwar auf das fotografische Fachwissen unserer Mitarbeiter zurückgreifen konnten, dessen digitale Umsetzung jedoch im Einzelfall mit vielen Unsicherheitsfaktoren behaftet war. Daß heutzutage auch eine Vielzahl von fotografisch tätigen Personen sich mehr oder weniger als Bildverarbeitungsexperten fühlen, macht die Lage nicht einfacher. Die Zusammenarbeit der Historisch Kulturwissenschaftlichen Informationsverarbeitung erbrachte den Kontakt zu einem externen Unternehmen (Wueller Image Engineering), das im Bereich der Bilddigitalisierung den heutigen Spitzenstandard repräsentiert. Durch gemeinsame Lehrveranstaltungen und Forschungsprojekte kommt es in Bezug auf technische Spezifikationen digitaler Bilder, Workflows und programmierbare Beschleunigungen bisher manuell durchgeführter Bearbeitungsschritte zu Austausch, Kontrolle und begleitender Beratung.

Damit wäre in beiden Bereichen ein den heutigen Standard darstellendes Niveau zumindest mittelbar an das Forschungsarchiv gebunden. Auf diese Weise ließe sich das in den 60er Jahren gewonnene Niveau im fotografisch-handwerklichen Bereich nun auch im digitalen Bereich absichern, was für eine überzeugende Zukunftsperspektive des Forschungsarchivs ein zentrales Anliegen sein muß.


Thematische Arbeitsbereiche:

1. Antikenrezeption im Zeitalter des Barock und Klassizismus in Europa:
Seit 1972 hat das Forschungsarchiv die großen, weitgehend unbekannten Antikenbestände in englischen Privatsammlungen dokumentiert. Zur Zeit konzentrieren sich die Arbeiten auf den Abschluß der wissenschaftlichen Kataloge Antike Skulpturen in englischen Schlössern (begründet von H. Oehler).

Antiken in Mittel- und Osteuropa im Zeitalter des Barock und Klassizismus wurden gemeinsam mit Fachkollegen der Humboldt-Universität Berlin und der Universität Warschau untersucht, insbesondere durch die Aufnahme von Antikensammlungen in Ostdeutschland und in Polen. Sie sind gleichzeitig und in engem Zusammenhang mit den großen englischen Privatsammlungen entstanden; ihre Untersuchung ist daher auch eine Abrundung und Ergänzung der Forschungen in England.

Als weiterer Zweig der Antikenrezeption werden Stichwerke einerseits in einem Browser zugänglich gemacht, andererseits in ausgewählten Fällen besonders aufgearbeitet wie beim Museo Maffeiano oder beim Muse de Sculpture antique et moderne des Comte de Clarac.

2. Materialerschließungen in europäischen Museen:
Die fotografische Dokumentation des Museo Gregoriano Profano. Katalog der Skulpturen (begründet von G. Daltrop und H. Oehler) der Musei Vaticani ist 2005 weitgehend vervollständigt worden. Zur Zeit konzentrieren sich die Arbeiten auf den Abschluß der wissenschaftlichen Kataloge.

Die fotografische Dokumentation der Skulpturen der Berliner Antikensammlung, insbesondere der Skulpturen des Pergamonmuseums, bildet derzeit einen Arbeitsschwerpunkt des Forschungsarchivs.

Die Erfassung der Gipsabgußsammlung des Akademischen Kunstmuseums der Universität Bonn dient u. a. der Systematisierung von Replikenreihen der Typen antiker Portraits und Idealplastik.

Antike Skulpturen in französischen Provinzmuseen sowie Antiken im Rheinland werden in ausgewählten Komplexen aufbereitet: einem Katalog zu den römischen Steindenkmälern im Museum von Metz, der Fotodokumentation zu den antiken Gemmen am Kölner Dreikönigenschrein, den Katalogen der Klassischen Antiken im Archäologischen Institut, der Vorlage der römischen Architekturteile Kölns im Römisch-Germanischen Museum oder einem Katalog der Kleinbronzen im Regionalmuseum Xanten.

Literatur:
G. Platz-Horster, Die antiken Gemmen aus Xanten II (1994); Photographien von G. Geng, geb.Dettloff.
G. Fischer, Antiker Marmorluxus von Rom bis zum Rhein (Ausstellungskatalog Köln 1994); Photographien von G. Geng, geb.Dettloff.
G. Zwierlein-Diehl, Die Gemmen und Kameen des Dreikönigenschrein (Köln 1998).