Demian Lienhard M.A.

LienhardEmail: dlienhard(at)hotmail.com

Lebenslauf
Studienbegleitende Tätigkeiten
Dissertationssprojekt



Lebenslauf

  1. geboren 1987
  2. 2006 - 2011 Studium der Klassischen Archäologie und der Lateinischen Sprach- und Literaturwissenschaft an der Universität Zürich
  3. 2010/11 Auslandsstudium an der Universität zu Köln (2 Semester)
  4. 2011 Abschluss des B.A. an der Universität Zürich zum Thema „Die zeitliche Stellung der vulgärlateinischen Lautwandel anhand der Grabinschriften Kölns“
  5. 2011 - 2013 Studium der Klassischen Archäologie an der Universität zu Köln
  6. 2012/13 Auslandsstudium an der Università La Sapienza in Rom (2 Semester) 2013: Abschluss des M.A. an der Universität zu Köln zum Thema „Funktionen und Funktionswandel römischer fora in Italien am Beispiel von Lucus Feroniae“
  7. seit 2013 Arbeit an der Dissertation zum Thema „Funktionen und Funktionswandel römischer fora in Italien vom späten 4. Jh. v. Chr. bis ins 7. Jh. n. Chr.“
  8. seit 04/2014 Stipendiat der a.r.t.e.s. Forschungsschule an der Universität zu Köln

Studienbegleitende Tätigkeiten

  1. 2009: Studentische Hilfskraft beim E-Learning-Programm „E-Classics“ des Klassisch-Philologischen Seminars der Universität Zürich
  2. 2009: Grabungshelfer auf der Grabung in Lissos (Albanien) des Deutschen Archäologischen Instituts, Zentrale Berlin
  3. 2009: Grabungshelfer auf der Grabung in Spina (Italien) der Universität Zürich
  4. 2010: Schnittleiter auf der Grabung in Lissos (Albanien) des Deutschen Archäologischen Instituts, Zentrale Berlin
  5. 2010: Praktikum auf den Grabungen des RGM in Köln
  6. 2011: Schnittleiter auf der Grabung in Lissos (Albanien) des Deutschen Archäologischen Instituts, Zentrale Berlin
  7. 2011: Schnittleiter auf der Grabung in Amiternum (Italien) der Universität zu Köln
  8. 2012: Schnittleiter auf der Grabung in Amiternum (Italien) der Universität zu Köln

Dissertationsprojekt

Funktionen und Funktionswandel römischer fora in Italien vom späten 4. Jh. v. Chr. bis ins 7. Jh. n. Chr. (Arbeitstitel)

  1. Betreuer: Prof. Dr. Michael Heinzelmann
  2. Förderung: a.r.t.e.s. Graduiertenschule Köln, DAAD

Zusammenfassung
Während der gesamten römischen Antike war das forum jener Raum in einer Stadt, in dem sich das öffentliche Leben im Wesentlichen abspielte. Dieser Raum war für ein Gemeinwesen von derart großer Wichtigkeit, dass beinah jede Stadt – unabhängig von ihrer Größe und Bedeutung – meist von ihrer Gründung an mit einem solchen ausgestattet war, während andere wichtige öffentliche Bauten wie Theater, Amphitheater, Thermen oder Aquädukte zuweilen erst Jahrhunderte später oder (gerade bei Ressourcenknappheit) gar nie errichtet wurden. Auf dem Platz und den angrenzenden Gebäuden bündelten sich wenn nicht ausnahmslos alle, so doch der Großteil der Funktionen des öffentlichen Lebens. Hier fanden Versammlungen politischer Gremien, Gerichtsverhandlungen, sakrale Akte, Gladiatorenspiele und Aufbahrungen verstorbener Mitbürger statt, hier wurde gehandelt (Detail- und Großhandel) und zuweilen auch gewohnt, hier repräsentierten sich die Mitglieder der städtischen Oberschicht mit Ehrenmonumenten und durch die Stiftung von Bauten für die Öffentlichkeit.

Interessiert man sich also für das öffentliche Leben in den Städten römischer Zeit, ist ein vertieftes Verständnis des forum und seiner Funktionen unabdingbar. Ziel des Dissertationsvorhabens ist deshalb, die römischen fora Italiens auf ihre Funktionen und deren Wandel hin zu untersuchen, um die Auswirkungen von äußeren Faktoren wie Gesellschaftsstruktur, Politik, Wirtschaft oder Topographie auf die Platznutzung zu verstehen. Im Zentrum steht also nicht in erster Linie die Frage, wie diese Plätze geplant wurden und in welche Architekturtradition sich diese Schemata einordnen lassen, sondern wie diese Plätze im täglichen Leben genutzt wurden und wie bzw. warum sich diese Nutzung im Verlaufe der Zeit verändert hat. Zunächst sollen Veränderungen in der Nutzung der Plätze zwischen dem späten 4. Jhdt. v. Chr. und dem Ende der Antike im 6./7. Jhdt. n. Chr. aufgezeigt werden. Diese Beschreibung geschieht auf zwei Ebenen: auf der intrafunktionellen Ebene, wo der Wandel einer einzelnen Funktion (beispielsweise die Veränderungen in der Nutzung des Platzes für politische Versammlungen) aufgezeigt werden soll, und auf der interfunktionellen Ebene, wo Veränderungen in der Platznutzung wie beispielsweise die Verdrängung einer Funktion zugunsten einer anderen, das plötzliche Auftreten einer stärkeren Gewichtung einer Funktion oder das Verschwinden einer anderen aufgezeigt dargestellt werden soll. In einem nächsten Schritt aber sollen diese Ergebnisse auch gezielt auf weitere Fragen hin untersucht werden, z. B. ob sich innerhalb Italiens kulturelle (etwa zwischen dem von der griechischen Substratbevölkerung geprägten Unteritalien und Etrurien) oder geographische (etwa zwischen Städten in Berggebieten und solchen in der Ebene, zwischen Hafen- und binnenländischen Städten) Unterschiede in der Nutzung der Plätze aufzeigen lassen. Diese Unterschiede sollen sodann erklärt und begründet werden. Mögliche (aber durchaus auf ihre Validität zu überprüfende) Erklärungsmodelle wären etwa, dass sich Unterschiede beim rechtlichen Status einer Stadt, der lokalen Gesellschaftsstruktur, der Verkehrsanbindung (des Platzes zum einen, der Stadt zum anderen), den Existenzgrundlagen (Landwirtschaft, Viehwirtschaft, Bergbau, Handwerk, Handel), aber auch der lokalen Bautradition unmittelbar oder mittelbar auf die Nutzung eines Platzes auswirkte.
Um die gewünschten Resultate zu erzielen, sollen alle zur Verfügung stehenden archäologischen, epigraphischen und literarischen Quellen herangezogen werden. Bei den archäologischen Quellen ist man hierbei einerseits auf die Forschungsliteratur und andererseits auf Begehungen der zu behandelnden Orte angewiesen, zur Untersuchung der epigraphischen und literarischen Quellen wird man sich v.a. der einschlägigen Datenbanken bedienen.
Grundlage der Arbeit werden zwei Kataloge sein. Im ersten Teil sollen alle möglichen Informationen, die aus den fora selber zu gewinnen sind, zusammengestellt werden. Man wird sämtliche Strukturen eines jeden forum auf den Informationsgehalt bezüglich ihrer Funktion überprüfen, wozu v.a. archäologische und (vom untersuchten Ort stammende) epigraphische Quellen beitragen werden. Hierdurch wird klar werden, welche Räume und Strukturen wie genutzt wurden und wo sich im Verlaufe der Zeit Änderungen ergeben haben. Vereinzelt werden auch ortsbezogene literarische Quellen ermöglichen, materiell nicht fassbare Ereignisse wie Gerichtsverhandlungen, religiöse Feste oder Spiele nachzuweisen. Im Bewusstsein, dass eine Funktionsbestimmung je nach Erhaltungszustand des forum und nachzuweisender Funktion (hierzu zählen insbesondere die juristische und die politische Funktion, die kaum materielle Spuren hinterlassen) nicht in jedem Fall bzw. Ort gelingen wird, soll in einem zweiten Teil durch die systematische Überprüfung der epigraphischen und literarischen Quellen versucht werden, ein generelles Bild der Nutzung einzelner Räume und Strukturen zu geben. Die Ordnung dieser Quellen nach Bezugszeit und -ort wird ermöglichen, die Verortung einzelner Funktionen und auch Veränderungen dieser Verortung in der zeitlichen Dimension aufzuzeigen.
Der auswertende Teil der Arbeit soll zunächst die Funktionen und ihren Wandel (intrafunktionellen Wandel) der römischen fora in Italien nach Funktionen getrennt untersuchen. Hierbei sollen die sakrale, die merkantile, die politische, die juristische, die otiose („Vergnügen“ wie Spiele oder Baden), die habitative (Wohnen) und die repräsentative Funktion analysiert werden. Danach sollen diese Ergebnisse zusammengefasst werden, wodurch ein gesamtheitliches Bild der Veränderungen der Funktionen (interfunktioneller Wandel) der fora in Italien in der zeitlichen Dimension entstehen wird. Dieser Befund soll sodann, wie oben erwähnt, auf geographisch oder kulturell einzugrenzende Besonderheiten untersucht werden. Zum Schluss sollen diese Ergebnisse im Lichte der römischen Sozial-, Wirtschafts-, Architektur- und Ereignisgeschichte betrachtet werden.

Abbildungen
Bild 1: Das forum von Iuvanum
Bild 2: Funktionsbereiche auf dem forum von Lucus Feroniae in spätantoninischer Zeit