Nicolò Pini M.A.

PiniEmail:nicolopini(at)libero.it

Lebenslauf
Studienbegleitende Tätigkeiten
Dissertationssprojekt



Lebenslauf

  1. geboren 1989
  2. 2008-2011 Bachelor in Archäologie an der Università degli Studi di Siena
  3. September 2011 Bachelorabschluss in Siena zum Thema: „Strumenti informatici web-based per l’archeologia dell’Architettura. Applicazione di DBSite e SICaR allo studio di un complesso architettonico del sito giordano di Umm es-Surab“
  4. 2011-2013 Master in Archäologie an der Università degli Studi di Siena
  5. 2011-2012 Erasmus-Stipendium an der Universität zu Köln
  6. Dezember 2013 Magisterabschluss in Siena zum Thema: „Villaggi e tribù tra ellenismo e periodo omayyade nell’Hauran meridionale. Un’analisi urbanistica e antropologica dell’insediamento di Umm es-Surab“
  7. seit April 2014 Arbeit an der Dissertation zum Thema: Arabische Städte. Stammesstruktur und Siedlungsorganisation in Jordanien vom Hellenismus bis in frühislamische Zeit

Studienbegleitende Tätigkeiten

  1. 2006 Ausgrabung mit dem York Archaeological Trust bei der St. Saviour Kirche (York, UK)
  2. 2007 Ausgrabung mit dem York Archaeological Trust bei Hungate (York, UK)
  3. 2008-2009 Zeichnungs- und Typologie-Labor von prähistorischer Keramik bei der Università degli Studi di Siena
  4. 2009 Ausgrabung mit dem Supreme Council of Antiquities an den Karnaktempeln (Luxor, Ägypten)
  5. 2010 Ausgrabung mit der Associazione OLIM von Rom beim Tell al-Mashhad (Jordanien)
  6. 2010 Ausgrabung mit der Università degli Studi di Siena bei der Canonica di S. Niccolò (Montieri, Grosseto, Italien)
  7. 2011 Intensive Program Erasmus – Vitoria 2010/2011: “Geometric Documentation of Heritage: European Integration of Technlogies” TOPCART bei der University College of Engineering of Vitoria-Gasteiz, Basque Country University
  8. 2011 Ausgrabung mit der Associazione OLIM von Rom beim Tell al-Mashhad (Jordanien)
  9. 2011 Building archaeology in Jordan (Umm es-Surab, Mafraq, Jordanien) mit der Università degli Studi di Siena
  10. 2013 Basic Security in the Field II (BSITF II) e Advanced Security in the Field beim United Nations Department of Safety and Security (UNDSS)
  11. 2013 Ausgrabung mit der Università di Palermo bei S. Marina (Petralia Soprana, Palermo, Italien)

Dissertationsprojekt

Arabische Städte. Stammesstruktur und Siedlungsorganisierung in Jordanien vom Hellenismus bis in frühislamische Zeit

  1. Betreuer: Prof. Dr. Michael Heinzelmann
  2. Förderung: DAAD-Promotionsstipendium

    Einleitung
    Das Forschungsprojekt bildet die Fortsetzung meiner Masterarbeit über einen antiken Ort in Nordjordanien, Umm es-Surab. Diese Arbeit entstand im Rahmen des Projektes Bauarchäologie in Jordanien, das seit 2005 von dem Laboratorio dell’Archeologia dell’Architettura (LAARCH) der Universität Siena mit dem Ziel verfolgt wird, einen chronologisch-typologischen Atlas der lokalen antiken Bautechniken zu erstellen (vom Hellenismus bis in frühislamische Zeit).
    Die Forschungen des LAARCH konzentrierten sich seit 2009 auf den südlichen Hauran in Nordjordanien, an der Grenze zu Syrien gelegen. Das Dorf Umm es-Surab stellte aufgrund seines hervorragenden Erhaltungszustandes (der glücklicherweise häufig in der Region anzutreffen ist) einen wichtigen Bestandteil der Untersuchungen dar. Eine wichtige Rolle spielte hierbei auch die experimentelle Anwendung innovativer Informationstechnologie, die sich als wertvoll sowohl für die Feldforschung als auch die anschließende Auswertung der Daten bis hin zur Publikation der Ergebnisse erwies.
    Meine Masterarbeit verfolgte insbesondere die städtebauliche Entwicklung und Raumorganisation des Ortes, der, wie andere Beispiele in Syrien und Jordanien auch, aus in sich geschlossenen Siedlungsbereichen („quartieri nucleari“) besteht. Die weite geographische Verbreitung dieser urbanistischen Form – Beispiele davon finden sich auch in weit vom Hauran entfernt gelegenen Regionen – sowie die große chronologische Zeitspanne – Orte mit ähnlichen Entwicklungsmustern stammen aus hellenistischer, römischer, byzantinischer und islamischer Zeit – haben mich dazu geführt, eine enge Verbindung zwischen der räumlichen Organisation der Siedlungen und ihrer sozialen Stammesstruktur der lokalen arabischen Bevölkerung zu vermuten.

    Ziele
    Folgende aus der Masterarbeit heraus entwickelten Fragestellungen sollen im Rahmen des Dissertationsvorhabens verfolgt werden:
    1. Zunächst ist das Konzept des „traditionellen“ Siedlungsmodells näher zu definieren – ein Begriff, den ich zur Unterscheidung von spontaneren und weniger programmierten Siedlungsformen gegenüber solchen, die ein gewisses Maß an bewusster Planung aufweisen, verwendet habe.
    2. Eng verbunden mit dem ersten Aspekt ist die Abgrenzung verschiedener „traditioneller“ Siedlungsmodelle, die sich bisweilen stark voneinander unterscheiden und daher mit verschiedenen Phänomenen in Zusammenhang stehen dürften. Für den Hauran lassen sich meines Erachtens mindestens zwei Modelle feststellen. Das erste ist dasjenige der Tells, die nach Rohmer in erster Linie auf die primären Sicherheitsbedürfnisse der Bevölkerung reagieren. Sie bilden eine Ansiedlung, die eine ursprüngliche prähistorische Organisation der Siedlung erkennen lässt, von geschlossener Form und in dominierender, gut zu verteidigender Lage und mit militärischen Strukturen versehen. Wie bereits festgestellt sind im Umfeld solcher ersten Ansiedlungen oft Stadterweiterungen nachzuweisen, neben denen die früheren Kernstädte zur befestigten Zitadelle werden
    3. Von besonderem Interesse ist die Untersuchung des letztgenannten Aspektes und speziell die Frage nach der Entstehung dieser Kernbereiche. Ich vermute, dass diese Organisationsform nicht zwingend mit der Niederlassung einer zuvor nomadischen Bevölkerung in Verbindung gebracht werden kann, schließe das für den Hauran jedoch nicht aus, wie andere Forscher auch.
    So gehe ich davon aus, dass Umm es-Surab und andere Orte, die ich im Rahmen der Masterarbeit untersucht habe, wie Umm el-Jimal und Mseikeh, Ergebnisse gerade eines solchen Prozesses der Sesshaftwerdung sind. Da eine chronologische Einordnung bis zum jetzigen Zeitpunkt jedoch problematisch war, ist eine sichere Aussage bislang noch nicht möglich. Dennoch bin ich der Ansicht, dass die Struktur der Siedlungen, seien sie ein Resultat eines Niederlassungsprozesses von Nomaden oder Halbnomanden, oder seien sie von einer bereits sesshaft lebenden Bevölkerung errichtet, dem gleichen Konzept der Organisation eines Stadtraumes entspricht, da das eigentliche Vorbild solcher Siedlungsformen auf der Stammes- und Familienstruktur der arabischen Gesellschaft, und zwar bereits der vorislamischen Zeit, beruht. Und dies gilt weder nur für Nomaden noch nur für islamisch geprägte Bevölkerung.

    Die Verbreitung dieses Siedlungsmusters auch in Regionen außerhalb der römischen Provinz Arabia stellt eine weitere mögliche Forschungsachse dar. So liegt es nahe, die Siedlungsanalyse auch auf andere römische Prinzen der arabischen Welt auszudehnen. In diesem Kontext spielt auch das Thema der „muslimischen“ Stadt eine Rolle, deren Begriff ich nicht folgen kann, der aber in anderen Disziplinen diskutiert worden ist. Eine Erforschung der urbanen Organisation nicht nur größerer Städte, sondern auch ländlicher Siedlungen unter sozialen Gesichtspunkten und im Verlauf der verschiedenen Epochen verspricht wichtige Erkenntnisse nicht nur in Bezug auf Jordanien und Syrien. Wie andere Forscher bereits besonders für die umayyadische Zeit festgestellt haben, wurden im Zuge der islamischen Eroberung in vielen Fällen bereits früher existierende städtebauliche Modelle aufgegriffen. Daher ist zu erwarten, dass sich auch in anderen Beispielen eine Stammesorganisation im Siedlungsraum erkennen lässt.
    Die umayyadische Zeit bildet voraussichtlich den größten chronologischen Schwerpunkt für diese Fragestellung, da in dieser Zeit besonders deutlich eine Stammesorganisation in den Siedlungen erkennbar wird. Hierdurch weitet sich der Untersuchungsraum allerdings beträchtlich, sowohl chronologisch als auch geographisch: Die islamische Eroberung unter den Umayyaden reichte bis nach Spanien, das das letzte Bollwerk der Dynastie nach den inneren Spaltungen der Umma bleiben sollte.
    Das Thema der „muslimischen Stadt“ ist nicht neu: Besonders aus der Beschäftigung anderer Disziplinen wie Geschichte oder Geographie mit diesem Thema sind bis heute andauernde lebhafte Diskussionen entstanden. Gerne würde ich diese Thematik auch auf den Bereich der Archäologie ausdehnen um zu zeigen, dass dort, wo eine Gesellschaft in vorislamischer Zeit auf Stämmen und Clans beruhte, die Siedlungsstruktur dieser sozialen Organisation folgte. Daher müsste man also nicht von einer „muslimischen“, sondern „arabischen“ Stadt sprechen.
    Nicht nur die Untersuchung der Siedlungsstruktur im allgemeinen, sondern auch die der Typologien von Ansiedlungen und der Wohnarchitektur kann wichtige Informationen einerseits zu chronologischen Fragen, aber auch zur sozialen Zusammensetzung der Bevölkerung der untersuchten Orte liefern.

    Methodik, Vorgehensweise
    Eine gewisse städtische Form einer spezifischen Sozialstruktur zuzuordnen ist ein komplexes und vielleicht fragwürdiges Unterfangen, das zahlreiche und sehr unterschiedliche Daten verlangt: Zunächst archäologische Informationen, auf deren Basis ein chronologischer und typologischer Rahmen erarbeitet werden kann, in den die oben genannten Phänomene einzuordnen sind; des weiteren anthropologische Daten, um Vergleiche und Parallelen zu zeitgenössischen Siedlungen, die den antiken ähnliche Elemente aufweisen, ziehen zu können; schließlich wäre darüber hinaus die epigraphische Dokumentation einzubeziehen, um sie konkret mit der städtebaulichen Analyse der Dörfer und Städte verbinden zu können.
    Die Untersuchung aller dieser Daten und Informationen verlangt jeweils eine eigene Methodik, die ihrerseits in ein gemeinsames Forschungsprojekt zu integrieren sind, das somit stark von interdisziplinärer Herangehensweise geprägt sein muss.
    Für die Untersuchung ist die Anwendung gewisser Informationstechnologie grundlegend: Nicht nur im Rahmen der Bauaufnahme und der Erarbeitung der städtebaulichen Analyse, sondern auch bei der Entwicklung einer Datenbank für die Katalogisierung der vor Ort oder aus der Literatur gewonnenen Daten.

    Abbildungen
    Abb.1 – Karte des Hauran. Quelle: M. Al-Maqdissi - F. Braemer – J.-M. Dentzer (Hrsgg.), Hauran V. La Syrie du Sud du Néolithique à l’Antiquité tardive, v.1, Bibliothèque archéologique et historique – Tome 191 (Beirut 2010), S. 140
    Abb.2 – Plan von Umm el-Jimal. Quelle: B. de Vries (Hrsg.), Umm el-Jimal – A frontier town and its landscape in northern Jordan, v. I Fieldwork 1972-1981, JRA Supplementary series Bd. 26 (Portsmouth-Rhode Island 1998), S. 14
    Abb.3 – Luftaufnahme von Umm es-Surab. Quelle: APAMEE (Aerial Photographic Archive for Archaeology in the Middle East), Robert Howard Bewley, 11/09/2006