Projektbeschreibungen der laufenden Dissertationen im Fach Archäologie der Römischen Provinzen (AdRP)

Markus U. Danguillier,
Typologische Untersuchungen zu den Weihereliefs der Provinzen Germania inferior, Germania superior und Gallia Belgica.

  1. Betreuer der Dissertation: Prof. Dr. Thomas Fischer.

Im Rahmen der anstehenden Dissertation sollen Weihereliefs römischer Zeit im Gebiet der drei Provinzen Germania inferior, Germania superior und Gallia Belgica bearbeitet werden.
Der Schwerpunkt der Arbeit soll auf der typologischen Untersuchung und Ordnung dieser Denkmalgattung stehen. Zunächst sollen möglichst alle Weihereliefs in den drei angesprochenen Provinzen gesammelt und in einem Katalog zusammengefaßt werden. Hierzu sollen die einschlägigen jährlichen Fundberichte, Museumskataloge und Monographien ausgewertet werden.
Die Götter Epona und Mercurius sind bereits als solche bearbeitet worden, allerdings nicht unter dem Gesichtspunkt einer Typologie der Weihereliefs. Die entsprechenden Arbeiten können als Grundlage für den Katalog herangezogen werden. (M. Euskirchen, Epona. In: Ber. RGK 74, 1993; J. Hupe, Studien zum Gott Merkur im römischen Gallien und Germanien. In: Trierer Zeitschr. 60, 1997, 53-227.). Ebenso bietet das Standardwerk E. Espérandieu, Recueil général des bas-reliefs, statues et bustes de la Gaule romaine I-XVI (Paris 1907-1981) einen Ausgangspunkt für die Sammlung.

Als erste Schwierigkeit ergibt sich die Frage, welche Denkmäler noch als Relief angesprochen werden können und bei welchen eher von einer Rundplastik gesprochen werden muß. Sitzfiguren, wie z. B. die Fortunadarstellungen, die sitzende capitolinische Trias und ähnliche Darstellungen werden ausgeschlossen, da bei derartigen Figuren die Rückenlehne motivisch bedingt ist und daher, auch wenn sie teilweise reliefartige, vergrößerte Stuhllehnen und Hintergründe haben, dennoch von einer Rundplastik zu sprechen ist. Stehende Figuren hingegen, wie der Schlegelgott aus Kinheim (W. Binsfeld u.a., Katalog der römischen Steindenkmäler des Rheinischen Landesmuseums Trier. 1. Götter- und Weihedenkmäler. CSIR Deutschland Trier IV, 3. Gallia Belgica, Trier und Trierer Land [Mainz 1988] Nr. 313) oder die Sirona aus Hochscheid (ebd. Nr. 317), die zwar fast rundplastisch dargestellt, aber mit einem reliefartigen Hintergrund fest verbunden sind, werden in die Untersuchung mit einbezogen.

Bei einigen Objekten wird sich die Frage ergeben ob es sich um ein Weiherelief oder ein kleines Kultrelief handelt. Dieses Problem wird sich vor allem bei den zu besprechenden Mithrasreliefs mit der Stiertötung, aber auch Cautes und Cautopates ergeben, die in der Regel als Kultreliefs angesprochen werden. Hier soll durch die Überprüfung der Fundorte eine Kontrolle stattfinden, um die einzelnen Exemplare dann als Weiherelief definieren oder mit Sicherheit ausschließen zu können.

Soweit möglich, soll auch untersucht werden, wer die Weihungen aufstellte. Waren es zivile Personen oder waren es Soldaten, Einzelpersonen oder Gruppen? Welche Herkunft hatten sie, waren es Einheimische, aus Italien oder aus anderen Provinzen stammende Personen?

Die nächste Frage betrifft die Verteilung des Materials in den untersuchten Provinzen. Handelt es sich um eine gleichmäßige Verteilung oder gibt es regionale Verbreitungsunterschiede?
Hierzu ist es ratsam, die Fundorte der einzelnen Weihereliefs zu kartieren und tabellarisch auszuwerten, um Anhaltspunkte hinsichtlich der geographischen und zeitlichen Verteilung zu erhalten. Für letzteres wird zum großen Teil eine kunstgeschichtliche Datierung der Denkmäler nötig sein, da, wie sich bei einer ersten Sichtung des Materials zeigt, die meisten Weihereliefs keine Inschrift aufweisen, über die gegebenenfalls datiert werden könnte.

Als zweiter Schwerpunkt der Arbeit soll das hier bearbeitete Material dann mit den Reliefs aus Rom und Italien verglichen werden und nach evtl. Verbindungen gesucht werden. Hierzu kann u. a. die Arbeit von E. Schraudolph, Römische Götterweihungen mit Reliefschmuck aus Italien. Altäre, Basen und Reliefs (Heidelberg 1993) für das Vergleichsmaterial herangezogen werden.
In diesem Zusammenhang wird auch die Ikonographie der Götter von Interesse sein. Sind sie nach den stadtrömisch-italischen Vorbildern gestaltet oder weisen sie provinzielle Eigenheiten auf? Trifft dies zu, so soll versucht werden, den Ursprung dieser Eigenheiten aufzudecken.
Zu hinterfragen ist auch, welchen Weg die Weihereliefs in die drei Provinzen genommen haben. Stammen die Vorläufer ähnlich wie bei den Grabreliefs aus Oberitalien?

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Ingo Martell
Römerzeitliche Fibeln aus dem Römisch-Germanischen Museum in Köln.

Das Römisch - Germanische Museum in Köln besitzt einen großen Bestand an römischen Bodenfunden, der noch längst nicht vollständig ediert und ausgewertet ist. Im Rahmen der gemeinsamen Bemühungen des Museums und der Universität zu Köln, vertreten durch das Archäologische Institut, wurde mit Hilfe einer großzügigen Förderung durch die Fritz Thyssen Stiftung ein Forschungsprojekt begonnen, das sich die Publikation der römerzeitlichen Fibeln aus Köln zum Ziel gesetzt hat. Auch das Ministerium für Stadtentwicklung, Kultur und Sport des Landes Nordrhein - Westfalen hat das Projekt finanziell unterstützt.

Fibeln, d. h. Gewandhaften aus Metall nach dem Prinzip der modernen Sicherheitsnadel, genießen in der Archäologie der römischen Provinzen traditionell eine besondere Aufmerksamkeit. Sie stellen nicht nur eine in der Regel gut datierbare Fundgruppe dar, sondern bieten auch vielfach als Bestandteile von Tracht und Kleidung Auskünfte über soziale Stellung oder ethnische Zugehörigkeit ihrer Träger. Auf diese Weise werden gerade im Bereich der römischen Provinzen über das Studium der Fibeltracht Vorgänge der Romanisierung, also der kulturellen Angleichung einer einheimischen Bevölkerung an das römische Vorbild, fassbar. Umgekehrt zeichnet sich aber oft auch in den Fibeln das Weiterbestehen vorrömisch - einheimischer Traditionen bis weit in die römische Kaiserzeit hinein ab.

Inzwischen liegt eine ganze Reihe von Fibelkorpora wichtiger römischer Fundorte aus den Provinzen an Rhein und Donau sowie aus Britannien vor, die intensivere vergleichende Studien zur römerzeitlichen Fibeltracht ermöglichen. Daher wurde es immer mehr als Defizit empfunden, daß aus dem Rheinland größere Materialvorlagen und Studien zu den römischen Fibeln fehlten. Insbesondere die reichen Bestände des Kölner Museums können hier eine empfindliche Lücke schließen.

Zur Zeit stehen die Arbeiten an der zeichnerischen und fotographischen Aufnahme des Materials sowie der Erstellung eines Kataloges fast vor der Vollendung. Da noch nicht alle Fibeln komplett durchgesehen und bearbeitet sind, liegen momentan keine exakten Angaben zu Zusammensetzung und Herkunft des reichhaltigen Kölner Museumsbestandes vor. Nach einer ersten Auszählung der bisher per Zeichnung dokumentierten provinzialrömischen Fibeln zeichnet sich aber bereits ab, daß mindestens ein Drittel nachweislich in Köln selbst gefunden wurde. Rechnet man diesen Anteil hoch auf die über neunhundert Exemplare des Museums, so wird die tatsächliche Gesamtmenge der aus Köln stammenden Stücke eine breite statistische Basis ergeben, deren Auswertung grundlegende Erkentnisse über den Gebrauch von Fibeln und über die lokale römische Fibelproduktion in Köln und im näheren Rheinland erbringen wird.

Schon beim jetzigen Stand der Bearbeitung wird deutlich, daß ein sehr breites Spektrum der verschiedenen Fibeltypen vertreten ist. Die ältesten der Gewandnadeln wurden bereits hergestellt, bevor Köln in den Rang einer colonia erhoben wurde. Zu dieser frühen Zeit hat es sich bei den Trägern in der Mehrzahl um Angehörige der römischen Armee gehandelt, die Fibeln benötigten, um die über die Schultern gezogenen Lagen ihrer deckenartigen Mäntel zusammenzuheften. Viele dieser Fibeln wurden als Massenware, d.h. zum Teil in regelrechten Produktionszentren, für den Bedarf der Truppen hergestellt. Die in Abbildung 1 gezeigte bronzene Militärfibel (Aucissafibel) gehört einem solchen universellen Typ an, der in der ersten Hälfte des ersten Jahrhunderts mit den Soldaten in alle Teile des Imperiums gelangte. Daneben bewahrten die Soldaten aber auch regional spezifische Fibelformen; eine solche Militärfibel, die - in diesem Fall - hauptsächlich im nördlichen Rheinland getragen wurde, ist in Abbildung 2 zu sehen.

Gleichwohl gehörten Fibeln ebenfalls zur zivilen Tracht der einheimischen und zureisenden Bevölkerung. So brachte eine sich entfaltende Fibelmode schon während des ersten Jahrhunderts auch in Köln eine große Bandbreite von unterschiedlichen Formen und Verzierungselementen hervor. Viele Stücke des Museums geben Zeugnis von dieser Zeit, in der Köln sich zur Großstadt entwickelte und ein Aufblühen von Handel und Handwerk erlebte; beliebt waren z.B. Fibeln mit plastischem Dekor (Abb. 3) oder gar mit figürlicher Ausgestaltung des Fibelkörpers selbst (Abb. 4).

An einer ganzen Reihe von Kölner Originalen sind zudem Reste einer veredelnden Verzinnung sowie Einlagen aus Knochen oder aus farbig kontrastierenden Metallen erhalten, die den Ziercharakter der in der Regel goldfarben glänzenden Bronzefibeln noch verstärken. Dieser Trend, das dekorative Element immer weiter zu betonen, führt dazu, daß regelrechte Schmuckbroschen den Fibelbestand des zweiten Jahrhunderts dominieren. Besonders gerne wurden runde Broschen mit Glas- oder Emailleeinlagen und feiner Ritzverzierung getragen (Abb. 5).

Im ausgehenden zweiten und spätestens im dritten Jahrhundert, noch vor dem Übergang zur Spätantike, ändert sich das Bild erneut. Es scheint ganz so, als würden Fibeln jetzt wieder in erster Linie von den Soldaten und deren Familien getragen, jedenfalls verschwinden die zuvor so beliebten kleinen Zierfibeln beinahe gänzlich aus dem Fundmaterial. Das läßt eventuell auf eine fortgeschrittene Romanisierung der Bewohner Kölns schließen, in deren Folge eine vernähte Kleidung nach mediterranem Vorbild der einheimischen (Fibel-)Tracht vorgezogen wurde. Der vielfältige Typenvorrat wurde durch einheitlichere Formen abgelöst: Die Soldaten benutzten nunmehr Scharnierfibeln mit langen, massiven Scharnierarmen, deren Weiterentwicklung schließlich zur klassischen Fibel der Spätantike, zur sogenannten Zwiebelknopffibel, führte. Die im ausgehenden vierten Jahrhundert gefertigte, aufwendig verzierte Zwiebelknopffibel aus Abbildung 6 entstammt bereits einer späteren Entwicklungsstufe; sie ist vergoldet und wurde, im Gegensatz zu den ansonsten meist im Gußverfahren hergestellten Typen, aus mehreren separat gearbeiteten Teilen zusammengesetzt. Solche kostbaren Zwiebelknopffibeln tragen z.T. sogar Inschriften und wurden höchstwahrscheinlich als Auszeichnung durch das Kaiserhaus an hohe administrative Würdenträger vergeben. Erst im fortgeschrittenen fünften Jahrhundert schließlich bricht mit dem Verschwinden auch der Zwiebelknopffibeln die provinzialrömische Fibeltradition im Rheinland gänzlich ab.

Fibel 1 Fibel 2 Fibel 3
Fibel 4 Fibel 5 Fibel 6

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Dirk Stoetzel
Untersuchung des suburbanen Bereichs westlich der CCAA.
Zur Nutzung und Entwicklung des Vorfeldes einer römischen Provinzhauptstadt.

  1. Betreuer der Dissertation: Prof. Dr. Thomas Fischer.
  2. Gefördert im Rahmen des Graduiertenkollegs Formierung und Selbstdarstellung städtischer Eliten in den Provinzen des Römischen Reiches.

Apud aram ubiorum ist in augusteischer Zeit eine Siedlung (oppidum ubiorum) auf dem Gebiet des heutigen Köln literarisch bezeugt, deren Grenzen bis heute noch nicht archäologisch nachgewiesen sind. Unter Kaiser Claudius erhielt diese Siedlung den Rang einer colonia und wurde unter Kaiser Domitian offiziell zur Hauptstadt der neu eingerichteten Provinz Germania inferior. Ob es mit diesem Verwaltungsakt in flavischer Zeit zum Bau der Stadtmauer kam, ist archäologisch bislang noch nicht überzeugend geklärt.

Jedenfalls kam es zum Bau einer insgesamt fast 4 km langen Stadtmauer, deren westliche Seite die östliche Begrenzung des Untersuchungsgebietes vorgibt. Nördlich ist das Areal in etwa durch die heutige Palmstr. und Magnusstr., südlich in etwa durch die Neue Weyerstr. und westlich in etwa durch die Brüsseler Str. und Roonstr. begrenzt. Innerhalb dieser Fläche rund um den heutigen Rudolfplatz, wurden seit 1923 von der Römischen Abteilung des Wallraf-Richartz-Museums, später vom Römisch-Germanischen-Museum, bzw. vom Amt für Bodendenkmalpflege der Stadt Köln, über 120 Bodeneingriffe unterschiedlichen Umfangs durchgeführt und dokumentiert.

Die Untersuchungsfläche wurde in römischer Zeit sehr vielseitig genutzt, wobei der Schwerpunkt auf gewerblicher Produktion lag. Neben den Töpfereien, Bronzegießereien, Glasschmelzen und Leimsiedereien existierten aber auch private Wohngebäude mit zum Teil luxuriöser Ausstattung (Hypokausten, Mosaike, Marmor, etc.) und zahlreiche Gräber, die sich nicht nur entlang der westlichen Ausfallstraße (Aachener Str.) orientierten.

Im groben läßt sich die Abfolge der verschiedenartigen Flächennutzung vom 1. bis zum 4. Jh. n. Chr. wie folgt beschreiben. Um die Mitte des 1. Jhs. wurden auf dem wenig besiedelten Gebiet Gräber angelegt. Dies hörte auf, als hier in der 2. Hälfte des 1. Jhs. mehr und mehr Töpfereien entstanden. Wohl um die Mitte des 1. Jhs. verlagerte sich die Keramikproduktion vom Neumarkt/Lungengasse an den weiter westlich gelegenen Marsilstein (vergl. Projekt C. Höpken). Während sich in flavischer Zeit die ersten Töpfereien entlang der Aachener Str. ansiedelten, konzentrierten sich diese im 2. Jh. im Bereich südlich des Rudolfplatzes. Für das späte 1. und frühe 2. Jh. sind die Überreste einer Leimsiederei ebenso nachgewiesen, wie große Tierknochenabfallgruben, was auf die Existenz einer Schlachterei westlich der Stadtmauer hinweist. Im 2. Jh. Bestanden, teilweise zwischen den Gewerbebetrieben, mehrere Wohnbauten, die zum Teil mit Mosaikfußböden ausgestattet waren. In dieser Zeit können auch die Glasschmelze und die zwei Bronzegießereien bestanden haben. Gegen Ende des 2. Jhs. kam das Töpfereigewerbe rund um den Rudolfplatz vollständig zum Erliegen. Welche mikro- und makroökonomischen Prozesse sich hinter diesem raschen Produktionsende verbergen, konnte bislang noch nicht umfassend erklärt werden. Infolge der Aufgabe der Keramikproduktion scheinen nach jetzigem Kenntnisstand auch die anderen Gewerbe aufgegeben und einige Wohnhäuser verlassen worden zu sein. Das Areal lag im 3. Jh. teilweise brach, bevor es gegen Ende des 3. Jhs. mehr und mehr als Begräbnisstätte genutzt wurde.

Die Untersuchung des westlichen suburbanen Bereichs soll über die skizzierten Entwicklungen hinaus, mehr Klarheit in Fragen der Nutzung, Struktur und Chronologie erbringen. Hierfür ist neben der Aufnahme der Befunde, die Aufnahme des Kleinfundmaterials von besonderer Bedeutung. Gerade die Analyse geschlossener Fundkomplexe darf interessante Ergebnisse zum Siedlungsablauf, sowie zum Status der Bewohner erwarten lassen, und wird letztlich zum Verständnis vom Werden und Vergehen der römischen Provinzhauptstadt CCAA beitragen.

Literatur:
H. Berke, Funde aus einer römischen Leimsiederei in Köln, KJb 22, 1989, 879-892
M. Carroll-Spillecke, Die Ausgrabungen im römischen Suburbium an der Jahnstrasse in Köln, KJb 29, 1996, 563-578
Dies., An early bath house in the suburbs of Roman Cologne, JRA 10, 1997, 263-270
F. Fremersdorf, Neue Beiträge zur Topographie des römischen Köln, Römisch-Germanische Forschungen 18 (Berlin 1950)
G. Schauerte, Der römische Töpfereibezirk am Rudolfplatz in Köln, KJb 20,1987,
23-82
E. Spiegel, Die römische Westnekropole an der Aachener Strasse in Köln. Ansätze zu einer Strukturanalyse, KJb 27, 1994, 595-609
R. Thomas, Gräber und Wohnbauten vor der westlichen römischen Stadtmauer in
Köln, KJb 23, 1990, 401-412

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